Attacke Azteka: Airen im Auto mit Isidro – und Wut im Bauch

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Saugeil. Don Isidro heute mal wieder in live erlebt. Isidro ist ja eigentlich auch voll der Prolo, so einer, der sich mitten im Gespräch mal kurz wegdreht, mit der ganzen Handfläche das Nasenloch zuhält und dann in aller Ruhe auf den Gehweg rotzt; einer der beim Reden einfach unverschämt weiter in der Nase popelt und sich auch sonst nur prinzipiell mit Schimpfworten verständlich macht. Isidro kannte unsere neue noch Wohnung nicht, also machten wir aus, dass ich heute Nachmittag auf der Hauptstraße auf ihn warte, gleich vor der Feuerwehr.

Die Hauptstraße ist sechs Spuren breit, drei hin, drei her, sie verbindet direkt Mexiko City mit Acapulco. Isidro ist schnell, das weiss ich, also stand ich angemessen pünktlich vor der Feuerwache. Ein Pickup fuhr langsam und blinkend an mir vorrüber, weil hier auch Schwuchtel-Strich ist, ich spuckte nur verächtlich meinen Zigarettenspeichel in Staub und dann sah ich schon Isidro ein paar Meter weiter vorne wild aus seiner Jeans-Jacke winken und dann umarmten wir uns und ich meinte: Da, auf der anderen Seite, da wohne ich. Wir überquerten die ersten drei Spuren und tauschten uns über den neuesten Mexen-Tratsch aus. Kurzer Halt auf dem Mittelstreifen. Vor und hinter uns rasten weiter Amischlitten in Mordstempo in die Steppe.

Es wollte und wollte einfach nicht rot werden für die Sucker und als dann – echt schon nach Minuten – der Verkehr vor uns endlich etwas dünner wurde, spurteten wir beide einfach los. Aber jetzt auch keine Hektik aufkommen lassen, denn wir beide wussten: Jeder von den Wichsern hat auch ne Bremse. Wir überquerten Spur eins und Spur zwei problemlos, und auf der dritten, schon kurz vor dem Bürgersteig, raste dann doch noch so ein mittelmäßiger Mittelklassewagen auf uns zu, kam gefährlich nahe, gab eher noch Gas und betätigte dann sogar kurz vor uns die Hupe. Ich ging extra einen Schritt langsamer und zeigte ihm reflexiv den Ficker, dann sah ich die beiden Jugendlichen die sich da von drinnen zu uns rüberlehnten und irgendwas rausriefen und dann schrie auch schon der siebzigjährige Isidro mit wild in der Luft fuchtelnder Faust: “Ihr verfickten Hurensöhne, fickt eure gefickte Mutter ihr Missgeburten!”. Da nahm das Auto plötzlich deutlich an Geschwindigkeit ab und kam zehn Meter hinter uns mitten in einer Staubwolke auf dem Randstreifen zum Stehen. Kaum hatte ich das wahrgenommen, kaum hatten sich meine Hände reflexhaft zu festen Fäusten zusammenkrampft und sich ein flaues Gefühl in meinem Bauch manifestiert, da hatte warf sich auch schon Isidro in Richtung Auto, beugte sich nun wild auf den Boden und suchte laut weiterfluchend offensichtlich wutentbrannt nach einem Stein. Keine Sekunde des Zögerns.

Ich schwörs euch, nur Isidros schnelle Geste, nur diese absolute spontane Kampfbereitschaft – es vergingen keine zwei Sekunden und das Auto brauste sofort wieder weiter Richtung Acapulco. Ich sah die Weicheier wegdüsen, und dachte nur: Nee, der Oaxaco, der zieht den Schwanz echt nicht ein. Den ganzen Weg zu meinem Haus lachte ich nur und Isidro hörte und hörte nicht auf zu fluchen und wiederholte: “Diese Wichser, ich bring die um, gut möglich, und wenn die ne Knarre haben, ich kill die mit nem verfickten Steinwurf, die Hurensöhne.”


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