Attacke Azteka: Airen tanzt den Banda

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Schmetternde Posaunen, trällernde Klarinetten, bisschen Marschmusik-Getrommel und, naja, mal wieder: der klagende Gesang über Liebeskummer etc.

Den Schuh müssen wir uns diesmal selber anziehen. Denn die Wurzeln moderner Banda-Musik finden sich in der deutschen Polka; und es waren auch die deutschen Exilanten in den nordmexikanischen Staaten Chihuahua und Sinaloa, die diesen Sound maßgeblich beeinflussten. Hört mal auf die typischen Oktoberfest-Basslines. Da lässt sich nichts mehr verleugnen.

Eigentlich besteht diese Musik schon seit gut hundert Jahren, so richtig kommerziell erfolgreich wurde sie aber erst in den Neunzigern. Seitdem spielt Banda ganz weit vorne mit in der mexikanischen Musiklandschaft. Die Produktionen sind sauber, die Verkäufe hoch und die erfolgreichen Gruppen lassen zu ihren Single-Auskopplungen professionelle Musikvideos drehen. Protagonisten meist: Schmalztriefender Latin Lover, betörende Latin Lady, glänzende Angeberkarre, mexikanische Landschaften und dazwischen geschnitten die Musiker, die in einheitlicher Banduniform auf irgendwelchen Hügeln oder Äckern mucken.

Besonderen Erfolg hat diese Musik bei den mexikanischen Migranten in den Staaten. Mittlerweile gibt es sogar einen Fernsehsender, BANDAMAX, der den ganzen Tag nur Banda spielt. Da sitzt dann die Cowboy-Frau in irgendeiner Cantina und interviewt fette Bauern, die hier zufällig Superstars sind und fragt sie, ob sie eher auf schlanke oder üppige Frauen stehen. Der Bassist antwortet dann, dass es ihm einzig auf die inneren Werte ankomme, um sich nur ja keinen Fick zu versauen.

Naja, was soll man davon halten? Die Melodien sind schon arg verzuckert, von den Texten mal ganz abzusehen, aber man muss schon zugeben, dass die meisten Musiker in Rahmen ihres Fachs ziemlich gut drauf sind. Schaut euch die Videos an. Vielleicht gefällt´s ja jemandem. Und dann wäre auch gar nichts dran auszusetzen.

(Das hier unten, Mexikos Sommerhit 2009, muss ich ehrlich sagen, gefällt mir z.B. wirklich gut. Ach, scheiss drauf: AAAAAAAAAAAYAYAYAYAYAY!!!!!)

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Zur Abwechslung mal wieder was ordentliches. Trova, das kann man vielleicht mit Singer/Songwriter-Musik übersetzen. Meist ein langhaariger Mann mittleren Alters, der mit einer verhallten Halbakustik-Gitarre allein auf der Bühne sitzt und politisch korrekte Lieder zum Besten gibt.

Das ist jetzt wirklich der allerübelste Scheiss. Seit ich vor vier Jahren das erste Mal diese Musik zu hören bekam, musste ich mir bestimmt schon an die 500  Norteños antun. Nicht einer hat sich von dem ersten unterschieden.

Ein Akkordeon und eine diffus raschelnde Rhythm-Crowd. Hüftschwung, Witz und ein verschwitztes Lächeln in der Nacht. Hetzende Waschbrettrhythmen, hüpfendes Salsa-Piano, Negergesang – Ja: Das ist Latino, Latinoamerika!


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