„Avengers: Infinity War“-Ende: Deshalb ist der Cliffhanger so gefährlich

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Der Blockbuster des Jahres ist in den Kinos gestartet, 10 Jahre lang haben Marvel-Fans auf „Infinity War“, dem Klassentreffen der Superhelden unter Disneys Schirmherrschaft, hingefiebert. Und sie werden wohl kaum enttäuscht werden: Kreative Actionszenen werden von humorvollen verbalen Kräftemessen zwischen Alphatieren wie Iron Man, Star-Lord und Doctor Strange aufgelockert. Witz trotz epischer Bedrohung – Marvel bleibt seiner Erfolgsformel treu.

Um die Qualität des Films wird es wenig Diskussion geben, perfekt ist er nicht, ein bisher nie gesehenes Kino-Spektakel, das trotzdem zu jeder Zeit beseelt wirkt, allerdings schon. Nur ausgerechnet in den letzten Minuten riskieren die Autoren und Regisseure, den gesamten Film auf einen Schlag zu entwerten. Oder besser gesagt mit nur einem Fingerschnippen.

Vorsicht: Konkrete Spoiler zu „Infinity War“

Die Handlung des Films lässt sich ziemlich schnell zusammenfassen, auch wenn sie im Film aufregender und wendungsreicher erzählt wird: Das Alien Thanos (Josh Brolin) durchstreift das Universum auf der Suche nach sechs wertvollen Steinen, die er in einen goldenen Handschuh einfügen möchte. Sobald er alle Steine hat, herrscht er über Raum, Zeit und Gedanken. Sein Ziel ist ein perverser Genozid, die Hälfte des Universums soll ausgelöscht werden, damit die Ressourcen für die Überlebenden ausreichen. Mehrere Steine befinden sich in Besitz der Helden, deshalb kreuzen sich die Wege von Thanos und den Avengers.

„Infinity War“ endet nun mit der größten Katastrophe, die jemals auf der Leinwand zu sehen war. Thanos erreicht sein Ziel, schnippt seine behandschuhten Finger und tötet die Hälfte aller Lebewesen im Universum (Hier seht ihr alle Helden, die ihr Leben verlieren). In einer erschreckend ruhigen Sequenz sieht der Zuschauer, wie Spider-Man sich in den Armen von Iron Man auflöst, die Krieger in der finalen Schlacht in Wakanda zerfallen reihenweise zu Staub. Thanos erreicht sein Ziel, in der letzten Szene sieht man ihn zufrieden in einer Idylle sitzen. Er lächelt, er hat seine Mission erfüllt und das Universum von der Überbevölkerung erlöst.

Das Ende ist gleich mehrfach problematisch. „Infinity War“ hat bis zum Einsetzen des Cliffhangers ein befriedigendes Gefühl ausgelöst, Marvel hat die Spielzeugkiste ausgekippt und den Zuschauern alles gegeben, was sie wollten. Und damit einen zweiten Teil eigentlich überflüssig gemacht. Doch der wird unweigerlich kommen, für Mai 2019 ist „Infinity War 2“ angekündigt, auch wenn er am Ende anders heißen wird.

Teil 2 könnte „Infinity War“ für unwichtig erklären

Die Ereignisse werden direkt an den erfolgreichen Genozid des Schurken anknüpfen. Die schiere Dimension der in „Infinity War“ gezeigten Katastrophe lässt dabei keinen Schluss zu: Die Helden werden viele der nun zu sehenden Ereignisse zurückdrehen müssen, was durch den „Stein der Zeit“ ja auch leicht möglich ist. Oder eben dadurch, dass die Helden den gesamten Handschuh in ihren Besitz bringen.

Die Folge: Der jetzige Film könnte stark entwertet werden. Emotionale Momente des Verlusts oder des schieren Heldenmuts werden revidiert werden. Warum sich denn überhaupt die Mühe machen, Thanos‘ Schergen in einer ausschweifenden Schlacht zu bekämpfen, wenn andere Helden die Geschehnisse 2019 sowieso zurückdrehen müssen. Marvel beraubt sich eventuell seiner eigenen Dramaturgie, könnte durch den zweiten Film den ersten als vergleichsweise unwichtig erklären. Hoffen wir, dass es anders kommt.


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