Ballett für die Massen: Queens „Bohemian Rhapsody“ ist alles, was man über die Band wissen muss


Easy come, easy go – a little high, a little low: An der Schnittstelle von Glam, Heavy, Art und Prog liegen Queen mit einem Sound, der sich überall bedient und doch ganz der ihre ist. Aber da ist ein Song, der heraussticht: Er ist die Blaupause, die die ganze Geschichte erzählen kann. „Bohemian Rhapsody“ ist alles, worum es Queen als Gruppe geht, was man über Queen als Gruppe wissen muss.

Es ist der Beginn der Münchner Phase, in der Freddie Mercury in der bayerischen Metropole sein privates Glück findet, mit dem Gastronomen Winfried „Winnie“ Kirchberger, mit dem er bis Mitte der 80er zusammenlebt und sich unbehelligt in der sehr liberalen Schwulenszene aufhalten kann. Diese Zeit spiegelt sich auch in den Queen-Alben jener Jahre wider, die zwar immer noch Pomp und Prätention bereithalten, aber auch entspannte Angelegenheiten sind, mit denen niemandem mehr etwas bewiesen werden muss. Bis zu den letzten Auftritten im Jahr 1986 zeigt sich Mercury auf der Bühne nunmehr in unschuldigem Weiß und der Uniform eines Zirkusdompteurs: Jetzt spielt Mercury nur noch Freddie Mercury, die Posen sind ein einstudierter Akt. Mit der hochgereckten Faust verlässt er die Bretter, die die Welt bedeuten. Für immer. Im Frühjahr 1987 erfährt Mercury, dass er HIV-positiv ist. Wie alles, was sein privates Leben abseits von Queen anbetrifft, behält er es für sich, auch wenn die wenigen öffentlichen Auftritte einen Mann zeigen, der im Verfall begriffen ist. Auf dem letzten Album von Queen singt er, um das eigene Ende wissend: „The show must go on“. Am 23. November 1991 gibt Freddie Mercury bekannt, dass er Aids hat. Am Tag darauf stirbt er, an den Folgen einer Lungenentzündung.

Anyway the wind blows …

Der Rest der Band macht nach einer längeren Pause weiter, schließlich mit Paul Rodgers von Bad Company als Sänger. Es gibt Tribut- konzerte, posthume Alben, das Musical „We Will Rock You“, Dokumentationen. Und während sich John Deacon längst komplett zurückgezogen hat, halten Brian May und Roger Taylor das Andenken lebendig. Zurückhaltung darf man vermutlich nicht einfordern, wenn es um Queen geht, auch wenn man es sich wünschen würde. Weil man Queen viel lebendiger in anderer Leute Musik hören kann, ob Radiohead oder The Flaming Lips, ob man die legendären Livespektakel in der Bühnenshow von Muse wiederentdeckt oder den aufgeblasenen Achtzigersound der Band in den Popkonfekten von Fun. oder Phoenix. Man wird aber feststellen, dass auch das nicht das Wahre ist. Weil Queen vielleicht nicht immer Begnadetes geschaffen haben, nicht alles Gold war, was sie angefasst haben. Aber es war immer einzigartig. Ballett für die Massen. Wie man es davor noch nie gehört hatte. Und danach nicht mehr gehört hat.

Nothing really matters, anyone can see, nothing really matters to me … Anyway the wind blows …

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Dieser Text in ist unserer Rubrik me-Helden in der Musikexpress-Ausgabe 01/2015 erschienen.