Bobby Sichran


„Macht nichts“, ruft Bobby Sichran und gräbt mit beiden Händen in den geräumigen Taschen seines Anoraks. Dann endlich, nach einer kurzen Zwangspause, hat er sein Plektron wiedergefunden. Ein trockener Akkord auf den Stahlsaiten, und schon darf sich Sichran, der so aussieht, als übernachte er am liebsten unter zugigen Autobahnbrücken, über aufbrandenden Applaus freuen. Und das bei einem Publikum aus Alternativen und angehenden Bildungsbürgern. Auch sie singen: „It doesn’t matter.“ Und tatsächlich: Nach einer Stunde macht es wirklich nichts mehr, daß Bobby Sichran, neben Jeff Buckley einer der großen neuen US-Songwriter, nur mit einem DJ im Kölner ‚Underground‘ angedockt hat und daß demzufolge die meisten Sounds vom Band kommen – als Playback für nasalen Gesang und Gitarre. Der Musiker Sichran, so will er den zahlenden Zuschauern weismachen, müsse sparen: „In den Staaten habe ich erst 291 Platten verkauft.“ Verschmitztes Lachen. „Glaubt mir, die hassen mich da drüben.“ Im ‚Underground‘, so viel ist sicher, mögen sie ihn. Die Augen zu Schlitzen verengt, pendelt der amerikanische Folk-Hopper zwischen gewachsener US-Melodik und rotzigen Raps. Dabei zelebriert er den Doggy-Style (in einer Parodie auf Snoop Doggy Dogg) auf äußerst eigene Weise: Bei „Stray Dog“ wälzt er sich wie wild auf dem brettharten Bühnenboden und heult wie ein Kojote. Unterm Strich aber glückt Sichran mit dem Repertoire seiner Platte „From A Sympathetical Hurricane“ ein schwieriger Balanceakt zwischen Blues, Rap und Folk. Anders als auf der CD fällt das Rhythmusprogramm von Sichrans Bühnen-Performance ausgesprochen reggae-lastig aus. Bobbys wahren Qualitäten aber tut das keinen Abbruch. Aus den wuchtigen Beats schält sich immer wieder ein großer Sänger und Songwriter heraus. Einer, der das Publikum unwillkürlich in seinen Bann zieht.