Boom Tschak: Unkown Artist – Albert Koch über die Platte des Jahres

Reden wir über „digitale Bemusterungen“. Das sind E-Mails von Plattenlabels mit einem Link auf eine Internetseite, auf der man Musik anhören und/oder downloaden kann zum Zweck der Rezension oder der Interviewvorbereitung. Neulich kam eine ganz besondere digitale Bemusterung an. Dieses besondere Album dieses bestimmten Elektronik-Musikers wurde über drei Monate vor seiner Veröffentlichung digital bemustert. Im Anschreiben der dezente Hinweis: „ACHTUNG!!! Dieses Album ist bis auf Weiteres nur für eure Ohren bestimmt, da das Album noch NICHT angekündigt ist. Bitte keine Berichterstattung via Social Media (auch nicht auf dem privaten Account), im Radio, Presse oder TV. Erzählt noch nicht mal euren Müttern von diesem wahnsinnig tollen Album. Sie würden es ohnehin nicht verstehen.“

Man hat das ja öfters, dass um ein bestimmtes Album eine Geheimnistuerei gemacht wird, als würde es sich dabei um das Strategiekonzept des CIA zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus handeln. Aber es ist ja auch verständlich, wegen der Kausalkette Internet > illegale Downloads > keiner will mehr Geld für Musik ausgeben. Dann sollen die doch ruhig mal ein Geheimnis daraus machen.

Mich juckt es aber in den Tippfingern, von diesem Album zu berichten. Zum Beispiel darüber, wie es dieser Künstler schafft, eine ureigene Soundästhetik zu generieren und dabei nicht nur das Genre, dem er zugerechnet wird, dezent voranzutreiben, sondern auch die Brücke zu schlagen zu einem anderen Projekt, an dem er maßgeblich beteiligt ist. Wie es ihm gelingt, ein seit Jahrzehnten als „uncool“ geltendes Musikinstrument in sein Klangbild zu integrieren, ohne dass ein Fremdschämreflex ausgelöst werden würde. Wie er es in einem bestimmten Track fertigbringt, Gospel, HipHop, R’n’B und sich selbst unter einen Hut zu bringen. Dass dieses besondere Album dieses bestimmten Elektronik-Musikers jetzt schon die Platte des Jahres ist. Das würde ich alles gerne schreiben. Aber ich darf ja nicht.

Diese Kolumne ist in der April-Ausgabe des Musikexpress am 12. März erschienen. Na, wen hat Albert Koch wohl damit gemeint?

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