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Ein Dokumentarfilm über das Spannungsfeld zwischen kulturellem Anspruch und Wirtschaftlichkeit in der Festivalindustrie

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5 K-Pop-Features, die wir alle kennen (sollten)

Schon lange bevor K-Pop durch BTS und Blackpink weltweit auf den Plan trat, erkannten Künstlerinnen und Künstler aus Berlin oder L.A. das Potential und den Reiz des koreanischen Pops. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass Boys Noize schon 2013 einen Track mit dem Big-Bang-Mitglied G-Dragon aufnahm? Oder Snoop Dogg im Jahr drauf mit Psy? Wir stellen Euch fünf spannende Features der vergangenen Jahre vor.

Boys Noize und G-Dragon (2013)

„Hey Alex! Hit me!“, ruft G-Dragon in den ersten 20 Sekunden des Songs „I Love It“ auf seinem zweiten Soloalbum im Jahr 2013. Mit Alex ist Alexander Ridha gemeint – besser bekannt unter dem Moniker Boys Noize. Als weiterer Gastsänger ist auf der Nummer der Koreaner Zion. T zu hören. Das Album „Coup D’Etat“ sollte G-Dragons erste Welttournee boosten und kann durchaus als Versuch verstanden werden, K-Pop international anschlussfähig zu machen.

 

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Ein Beitrag geteilt von 권지용(權志龍) (@xxxibgdrgn)

G-Dragon, der in der in Korea schon fast Kultstatus genießenden Band Big Bang den wilden Rapper gab, war ein guter Kandidat für den Versuch. Sein damals auf Emo getrimmter Style und auch seine Musik passten sehr gut in die Zeit. Spannend ist aber, wen seine Produktionsfirma als Gäste an Bord holte: eben Boys Noize, aber auch Diplo, Baauer und Sky Ferreira waren an dem Album beteiligt. Die bekannteste Stimme auf „Coup D’Etat“ ist Missy Elliot, die auf „Niliria“ G-Dragon den Ritterschlag des westlichen HipHops gibt. Die Rechnung ging auf: Das Album schaffte es weit hoch in die Billboard Charts. Fun Fact: Auf dem Album findet sich mit „Black“ auch einer der ersten Tracks mit Jennie von Blackpink – und die Klatschpresse munkelt in diesem Jahr schon wieder, wie damals, dass die beiden ein Paar seien …

Snoop Dogg und Psy (2014)

Nach dem Siegeszug des „Gangnam Style“-Videos 2012 suchte sich Psy für diese Single einen schon damals altgedienten Helden als Duett-Partner: Snoop Dogg. Das Ergebnis ist nicht nur ein erstklassiger Rap-Track, sondern auch eines der unterhaltsamsten und lustigsten Videos der vergangenen Jahre, in dem Psy und Snoop einen Angriff auf das cleane Image des K-Pops starten. Spätestens der Part, wo sie zwei eher ältere koreanische Damen aufreißen und in einer Karaoke-Bar wild mit ihnen Rummachen (während übrigens G-Dragon einen Schmusesänger gibt), dürfte in Korea für rote Ohren gesorgt haben.

Die „Hangover“-Premiere fand medienwirksam in der Show von Jimmy Kimmel statt, der die beiden auch zu Gast hatte. Die Reaktionen auf Track und Video waren anfangs eher gemischt: Viele Fans von Snoop hassten es, die Medien sprachen oft von einer „bizarren“ Konstellation und viele koreanische Fans waren entweder sauer, weil sie meinten, der Sound sei zu sehr von Snoop Dogg und westlichem Rap dominiert, oder sie waren entsetzt, wie Psy die koreanische Trinkkultur verarschte. Später gestanden jedoch viele, der Song habe ein gewisses Suchtpotential. Nun ja, der Clip steht mittlerweile bei 350 Millionen Views und wurde 2018 in der Casino-Szene in Wuhan in „Black Panther“ benutzt – man kann also sagen, er sei rehabilitiert.

Steve Aoki und BTS (2017)

Neben Boys Noize und Diplo war Steve Aoki ein weiterer DJ, der K-Pop und seine Möglichkeiten schon früh im Visier hatte. Er suchte vor allem die Nähe zu BTS, die inzwischen wohl die meisten internationalen Features in ihrer Karriere gesammelt haben (Halsey, Zara Larsson, Mura Masa, Charlie XCX, The Chainsmokers, Nicki Minaj, Juice WRLD, Honne u. a.) und sich vor Anfragen vermutlich kaum retten können. Aoki arbeitete mehrmals mit ihnen: auf seinem Song „Waste It On Me“, beim BTS-Track „The Truth Untold“ und eben bei diesem Banger, der wirklich ein vertonter „MIC Drop“ ist und ebenso knallt wie das Video dazu.

Es ist außerdem kein Zufall, dass mit Diplo und Aoki zwei DJs den Drang zum K-Pop hatten, die maßgeblich den EDM-Hype und -Sound prägten, der zumindest in Sachen Produktion ähnlich erratisch nach vorne geht, wie einige K-Pop-Produktionen. Aoki schwärmte im Billboard Magazine damals über BTS: „Ich liebe die Jungs. Sie sind Genies. Sie sind dermaßen kreativ auf allen Ebenen – sei es beim Tanzen, bei ihrem Sound, bei ihrem Style, ihrem Flow, ihrer Musik und bei der Mode, die sie tragen. Außerdem sind sie eine Marke. Sie haben früh ihre eigene Brand entwickelt, die inzwischen auf der ganzen Welt bekannt ist.“

Becky G und J-Hope (2019)

Noch einmal ein Teil von BTS: Deren Tänzer und Rapper J-Hope holte 2019 für die Single „Chicken Noodle Soup“ (die auf einem Teil des gleichnamigen Songs von DJ Webstar feat. Young B von 2006 basiert) Becky G an Bord. Die Amerikanerin mit mexikanischen Wurzeln ist eine der erfolgreichsten Rapperinnen und Sängerinnen im Latin Pop Game. Generell gibt es viele Koreaner*innen, die Pop aus Lateinamerika feiern, sowie K-Pop-Acts, die mit speziellen Songs (wie zum Beispiel schon 2014 Super Junior mit „Lo Siento“) eindeutig auf diesen Markt zielen. Auch der internationale Siegeszug von Latin Pop und Reggaeton wurde oft mit dem des K-Pops verglichen, weil das in beiden Fällen eine Weile an der Wahrnehmung des etablierten Musikjournalismus vorbei passierte.

„Chicken Noodle Soup“ wurde ein internationaler Erfolg und von vielen Fans vor allem dafür gefeiert, dass er drei Kulturen so unterhaltsam zusammenbrachte. Die Lyrics sind auf Spanisch, Koreanisch und Englisch und das „Original“ ist ein heute eher unter Kennern gefeiertes Musterbeispiel für den Harlem Sound der Nullerjahre, der vor allem durch den dazugehörigen Tanz gefeiert wurde. J-Hope kommunizierte früh, dass ihm dieser Song persönlich wichtig war, weil „Chicken Noodle Soup“ ständig lief, als er im Teenager-Alter entschloss, Idol zu werden und Tanzen zu lernen – und er entlohnte die Urheber natürlich, und das sicherlich fürstlich.

Becky G hatte auch viel Gutes über die Zusammenarbeit zu sagen. „Ich bin J-Hope sehr dankbar. Er ist derjenige, der mich gefunden und angesprochen hat, um mir seine Idee vorzustellen. Als ich ihn traf, war es eine große Inspiration für mich: Er ist ein Künstler, der sich den Arsch aufreißt für seine Musik. These BTS boys do not miss a beat. Sie haben jedes kleinste Detail im Blick. Egal ob als Fan, oder jemand, der in derselben Welt unterwegs ist, kann man gar nicht anders, als das wertzuschätzen.“

Selena Gomez und Blackpink (2020)

Zum Schluss ein gelungenes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit. Blackpink können inzwischen ebenfalls einige sehr namhafte Features vorweisen – darunter Lady Gaga, Cardi B., Dua Lipa und eben Selena Gomez. „Ice Cream“ war wohl der K-Pop-Sommerhit des vergangenen Jahres und ähnlich wie „Dynamite“ von BTS ein Song, der international weit über die K-Pop-Fankreise hinauswirkte. Obwohl oder gerade weil er so offensiv und quietschbunt daher kommt und jede Sekunde „POP!“ brüllt.

Pandemie-bedingt fanden die Acts leider nicht persönlich zusammen, was man auch dem Video anmerkt, allerdings kannte und schätzte man sich schon länger. Blackpink erzählten oft, dass die Musik von Selena sie schon lange begeistert und begleitet und Selena traf Jisoo. und Rosé von Blackpink bereits vor einigen Jahren auf einer Modenshow in New York.


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