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Bundesvision Song Contest 2011: Wir sagen, wer gewinnt!

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Heute Abend findet zum siebten Mal in Folge der Bundesvision Song Contest statt. 16 Bundesländer stimmen via SMS und Telefon über den Sieger ab- wer mit Prossecco und wer mit einem Glas Milch den Abend  ausklingen lässt. Der Gewinner, denkt man sich bei Pro 7, ist ja immerhin repräsentativ für den Musikgeschmack der 14-49-jährigen.

Die Regeln beim BSC, dem kleinen Bruder vom Eurovision Song Contest, sind klar – sie unterscheiden sich nicht von denen des großen Bruders, nur dass sich die Regeln auf Deutschland beschränken. Also: Aserbaidschan hat da nichts zu melden, und die Sachsen dürfen nicht für Sachsen, sondern nur für Sachsen-Anhalt anrufen.

Was vielleicht noch mal in Erinnerung gerufen werden sollte: Bei dem Contest geht es um die Förderung deutschsprachiger Musik, und die Teilnehmer müssen einen Song singen, der mindestens zu 50% deutschsprachig ist. Letztes Jahr hat Unheilig mit „Unter deiner Flagge“ gewonnen. Man ist nicht so richtig vom Glauben abgefallen, aber man konnte die Pein nicht verbergen, die man seinen Mitbürgern gegenüber empfand. Wieso bitte dieser Diakon mit Schlips und Kragen, der sich mit seiner Musik das Priesteramt erschleichen will? Es war wirklich ein harter Schlag, aber man sah ihn auf sich zukommen. Und auch wenn keiner mehr auf die deutschen Charts baut – Platz 1 in den Charts heißt auch Platz 1 in Deutschland.

Das Line-Up ist 2011 hinsichtlich des Berühmtheitsgrades und der Qualität dann doch sehr durchwachsen. Die Medien munkeln zwar etwas von einem Teilnehmerprofil, was sich dadurch auszeichnet, dass es sich relativ homogen bezüglich der Popularität der einzelnen Bands verhält – aber irgendwie ist das ein bisschen zu voreilig.

Es ist zwar diesmal kein Peter Fox dabei – aber Juli, Bosse, Tim Bendzko Thees Uhlmann oder Frida Gold sind ja nun auch vielen ein Begriff. Da kann man jetzt meckern, weil man das echt unfair gegenüber Pierre Ferdinand et les Charmeurs aus dem Saarland findet, aber ich meine: 15 weitere Pierre Ferdinand’s et Co’s sind ja nun auch keine Lösung für einen Contest, der zum Public Viewing aufrufen soll und nicht mit einem Dreizeiler in den regionalen Tageszeitungen abgespeist werden will. Insofern sollte man deswegen jetzt erstmal nicht gleich den Kommerz-Kritiker raushängen lassen und sich mal ein bisschen genauer anschauen, wer heute Abend einen Song vom Stapel lässt. Damit man sich nicht allein gelassen fühlt, haben wir mal eine Prognose der Top 16 erstellt:

Platz 16: Doreen – Wie konntest du nur? (Brandenburg)
Ja, Stefan Raab – Wie konntest du nur? Das ist „Gothic-La Fee“ ohne pubertäre Wutanfälle. Das ist Ex-Nupagadi-Doreen, die mit bebender Unterlippe, Kunsttränen und mit Hula Hoop-Creolen in den Ohrläppchen gar nicht weiß, wie er das nur tun konnte, dieser Mann, um den es geht. Ihr Schmerz wird im Video in ein metallisches Eisblau getaucht und sie…sie ist die Eisprinzessin, die mit diesem Liebeskummer bei dem Hörer sicherlich kein Eis bricht, sondern ihm versichert, dass dieser Act es auf Platz 16 Schafft – einfach, weil ihr irgendein Platz nun mal zusteht.

Platz 15: Pierre Ferdinand et les Charmeurs – „Ganz Paris ist eine Disco“ (Saarland)
Gut, sie sind mit acht Musikern die größte Band, die teilnimmt. Aber dafür gibt es leider keinen Preis heute Abend! Deswegen müssen wir diesem französisch-deutschen Chanson-Pop leider den vorletzten Platz geben. Was klar ist: Der Sänger hat französische Wurzeln, die seine Aussprache auch nicht verleugnet. Aber selbst, wenn ganz Paris eine Disco ist – die Saarländer werden heute nichts zu feiern haben.

Platz 14: Muttersöhnchen – Essen geh’n (Schleswig-Holstein)
Es ist gewagt Muttersöhnchen hier zu platzieren. Das selbstironische Elektro-Duo, das sich in den Gewinnerfarben Gold und Silber kleidet, Muttersöhnchen, setzten auf nordischen Deichkind-Mitsingfaktor und könnten damit auch für einen Irrtum dieser Platzierung sorgen…

Platz 13: Flo Mega – “Zurück” (Bremen)
Der deutsche Joe Cocker, der zurück ist, von dort, wo der Pfeffer wächst. Er setzt auf Jan Dalay-Beggings. Es könnte die Flucht nach vorn sein. Vielleicht landet er damit aber doch auf einem Platz, der für die bereit gestellt wird, die dahin gehen sollen, wo der Pfeffer wächst.

Platz 12: Flimmerfrühstück – „Tu`s nicht ohne Liebe“ (Sachsen-Anhalt)
Eigentlich ein bisschen zu schade für den 12. Platz, weil sie eigentlich ganz „niedlich“ sind, aber sie sind leider zu unscheinbar. Sie tun das echt nicht ohne Liebe, aber es könnte sein, dass die Zuschauer ihnen diese nicht in gleichem Maße entgegenbringen, weil sie sie nach ihrem Auftritt gleich wieder vergessen haben. Sie werden sich nur an das softe Saxophon erinnern…

Platz 11: Glasperlenspiel – „Echt“ (Baden Württemberg)
Dieses Pop-Duo müsste eigentlich weiter hinten landen. Aber es beschleicht einen der Gedanke, dass sie sich in ein paar Ohren schleichen werden und wenn Pause ist, dann als übler Ohrwurm entpuppen für die 14 – 15-jährigen. Und die zücken ja nun mal schnell ihr Handy…

Platz 10: Andreas Bourani – “Eisberg” (Bayern)
Andreas Bourani – der wie ein Phoenix aus der Asche emporsteigen will, aber in seinem Song halt als Eisberg aus der See emporsteigt. Er setzt ganz klar auf smarten Deutschpop mit Schlagerpotential. Könnte ziehen, könnte aber auch nur für Platz 10 reichen.

Platz 9: Jennifer Rostock – Ich kann nicht mehr (Mecklenburg-Vorpermann)
Explizit an dich: Jenny, du kannst froh sein, dass das hier eine Prognose ist, die nur zum Teil subjektiv geprägt ist, sonst würdest du dir ganz klar mit Doreen den 16. Platz teilen! Als Soft-Punkerin, die einem in die Tiefe ihrer Psyche blicken lässt, kannst du hier leider nicht mehr als Mitleid ernten. Nach dem Song kann ich auch nicht mehr…Songs von dir hören. Aber du hast dir einen Namen gemacht in den letzten Jahren. Und davon wirst du profitieren.

Platz 8: Alin Coen Band – Ich war hier (Thüringen)
Sollte es diese Band auf dem 8. Platz landen, dann ist das ein guter 8. Platz. Sie waren Vorband von Sting, und sie sind gerade auf dem Weg, sich aus der Schale der unbekannten Thüringer Singer/Songwriter-Formation zu schälen. Eine dieser Bands, die sich noch vom Erfolg überraschen lassen und auch lassen können.

Platz 7: Jupiter Jones – immerfürimmer (Rheinland-Pfalz)
Ja, kann man so stehen lassen…

Platz: 6 Juli – Du lügst so schön (Hessen)
Es wäre eine Lüge, wenn man das nicht ein bisschen fragwürdig finden würde: dass sie den ersten Bundesvision Song Contest 2005 gewonnen haben und jetzt schon wieder für Hessen antreten. Aber die Fans werden sich sicherlich freuen, weil Julis Musik für sie auch 2011 immer noch die perfekte Welle ist…Auch, wenn dieser Song nicht angemacht werden sollte, wenn man sich gerade frisch verliebt hat, sondern vielleicht eher ein Trennungs-Ding am laufen hat.

Platz 5: Kraftklub – Ich will nicht nach Berlin (Sachsen)
Die fünf Antis aus Chemnitz hätten ihn verdient. Weil diese College-Jacken-Träger eine nette Berlin-Hymne geschrieben haben, die einen daran erinnert, warum man dort eigentlich gar nicht leben möchte. Weil dort einfach zu viele sagen: „meine Brille ist nicht vintage, verdammt, die ist retro“. Sie legen nahezu alle Berlin-Hipster-Klischees frei und schreien sie von Sachsen nach Berlin. Und die Berliner werden – weil sie so cool und humorvoll sind – für sie anrufen.

Platz 4: Tim Bendzko – Wenn Worte meine Sprache wären (Berlin)
Dann würde man Tim Bendzko schon seit dem Song „Nur noch kurz die Welt retten“ kennen. Überraschung: Worte waren schon zu dem Zeitpunkt seine Sprache, und er hat noch was mit diesen angestellt – er hat sie gesungen! Man wird die Anrufe nicht stoppen können…Es sind die Xavier Naidoo-Fans, die in ihm den Nachwuchs-Naidoo sehen.

Platz 3: Frida Gold – Hattingen (Nordreihn -Westfalen)
Sie sang „Zeig mir wie du tanzt“, und die Masse sah ihr dabei zu, wie sie selbst tanzte. Schnell hat sich sich in die Herzen getanzt…In so viele, dass es kaum einen Zweifel gibt, dass es nicht genug Fans geben wird, die ihr mindestens zu diesem 3. Platz verhelfen werden.

Platz 2: Bosse & Anna Loos (Niedersachsen)
Letztes Jahr ist Schauspielerin Anna Loos noch mit Silly angetreten. Diesmal wird sie mit Bosse „Frankfurt Oder“ performen. Sie brauchen sich keine Sorgen machen. Die Zuschauer werden die beiden einfach ursympathisch finden…

Platz 1: Thees Uhlmann – Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf (Hamburg)
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf – Zum Singen und Siegen steigt Thees Uhlmann die Bundesvision-Song-Contest-Bühne hinauf!


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