Cockney Rebel oder die dritte Rock-Generation


Cockney Rebel sind die Fuhrer der zukünftigen Musik! Steve Harley hasst die Woodstock Generation! Die Jugend muss der kreischenden Gitarren überdrüssig sein! Solche und ähnliche Schlagzeilen bot die englische Musikpresse seit einiger Zeit. Immer im Zusammenhang mit Bildern der fünf Newcomer in Samt und Seide. Möglicherweise sind Cockney Rebel die Entdeckung 1974, auf jedem Fall sind sie das Saisongespräch (wie man es ihrem plüschigen Image zuliebe nennen möchte.) Im Frankfurter ‚Palmengarten‘ gaben sie neulich ihr Debüt: Alles war darfauf eingerichtet, die Atmosphäre eines Kurkonzertes vergangener Zeiten zu suggerieren: Zierpalmen und lange, weissgedeckte Tische, ‚Champagne for everybody‘, sogar devote Kellner hatte man dezent im Saat placiert. Was immer kommen würde: die überrasschung war von vornherein gesichert. Cockney Rebel hielten dann auch, was das ganze nostalgische Brimbramborium versprach: vom dekadenten ‚Death Trip‘, unheimlichen Selbstmordgefasel und eitler ‚Mirror Freak‘-Pose bis zur Marlene Dietrich Parodie (‚Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt‘) fehlte nichts was die Show von Steve Harley, Jean Paul Crocker, Milton Reame-James, Stuart Eltiot und Paul Jeffreys hätte unheimlicher machen können. Überwältigt von Cockney Rebel’s Wahnsinnszirkus oder wie sie es nennen: der ‚Human Manegerie‘, machte ich mich auf, Steve nach dem Konzert ein paar Fragen zu stellen:

…DESALB IST COCKNEY REBEL’S ZEIT GEKOMMEN

ME: Steve, dies war Euer erster Auftritt in Deutschland, welchem Eindruck, meinst Du, habt ihr hinterlassen? Steve:

Heute Abend hatten wir noch kein Durchschnittspublikum, es waren sehr viele Presseleute da, wir hatten Angst, dass man uns ablehnen könnte. Man hat uns gewarnt. Aber es war fantastisch, die Leute sind auf unserem Trip abgefahren. Great.

ME: Es ist ein bisschen schwierig Euch unvoreingenommen entgegenzutreten. Es gab in der letzten Zeit soviel Aufsehen in den englischen Zeitungen. Kürzlich sagtest Du, dass ihr die neuen Superstars, die neuen Idole der dritten Rock Generation seit. Was soll das heissen.

Steve: Ja, ich sagte das in einem Interview, und ich glaube noch immer daran. Ich will’s mal versuchen zu erklären: Es gab die erste Rock-Generation: Bill Haley, Little Richard, Fats Domino, Ghuck Berry, Jerry Lee Lewis und natürlich Elvis. Sie alle kamen direkt vom Blues. Ihr Einfluss auf Europa und die Jugend Amerikas machte das Entstehen der zweiten Generation erst möglich. Die Beatles, Stones, Led Zeppelin, Cream und all die anderen Popgroups, aber ihre Zeit ist gemessen, sie waren ehr gut aber das ist vorbei jetzt. Die Leute sind reifer geworden, sie brauchen keine kreischenden Gitarren mehr, um sich anzutörnen. Und deshalb ist Cockney Rebeis Zeit gekommen. Wir brauchen keine Supersologitarristen um ;ns auszudrücken, wir brauchen keine sychedelischen Drogen, keine lauttarken Phon-Kulissen, unser Talent nisst sich nicht in den Dezibel unserer Verstärkeranlagen, wie z.B. bei Grand Funk.