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„Das Hausboot“ bei Netflix: 5 Gründe, warum Fynn Kliemann & Olli Schulz ein gutes Team abgeben

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„Dienstag ist Bootstag!“

Dieser Satz mag einigen bekannt vorkommen. Hat Olli Schulz in dem bekannten Spotify-Podcast „Fest & Flauschig“ nicht mal sowas erwähnt? Oder waren es doch die Instagram-Storys vom Allroundtalent Fynn Kliemann, in denen plötzlich jeden Dienstag Baustellenabenteuer im Hamburger Hafen geteilt wurden? Was es damit eigentlich auf sich hatte, erfährt man nun in der Netflix-Dokureihe „Das Hausboot“ von Regisseurin Regina Schlatter. Die Miniserie (vier Folgen á 45 Minuten) zeigt nicht nur eine dreijährige Bootsrenovierung, vielmehr erweisen sich die zwei Allrounder als ein herrlich unperfektes Team, das sich mindestens genauso viel fetzt, wie es zusammen lacht. Hier sind fünf Gründe, warum Fynn Kliemann und Olli Schulz ein  tolles Duo abgeben, dem man gerne beim Arbeiten und Sinnieren zusieht.

Hier geht es zum Trailer:

  1. Zwei Macher

„Geil, Boot! Wir bauen das schnell um, machen bisschen Geld, kleines Café, Studio“, beginnt Olli Schulz zu erzählen. Das Boot war damals in der BILD-Zeitung inseriert und erweckte sofort die Aufmerksamkeit des Musikers, der in den vergangenen Jahren seinen Projektekatalog stetig um Auftritte als Songwriter, Schauspieler und Podcaster erweiterte. Das Hausboot des 2017 verstorbenen Sängers Gunter Gabriel („Hey Boss, ich brauch mehr Geld“) schien perfekt als neues Kreativprojekt geeignet. Oder eben als ganz „persönlicher Jakobsweg“, wie Olli selbst es nennt, den er aber nicht alleine gehen wollte.

Also brauchte es jemanden der genauso viel Bock hat, die Dinge einfach mal anzupacken. Und wer würde da besser an Ollis Seite passen, als der berühmteste YouTube-Handwerker Deutschlands, Fynn Kliemann? Der D.I.Y.-Bastler hat schließlich schon so einiges restauriert und gebaut – da fehlt eigentlich nur noch ein Boot im Portfolio.

  1. Zwei Träumer

Um so ein Mammutprojekt anzupacken, braucht es zuvor vor allem eines: den Blick für das Ziel, nicht nur das Hier und Jetzt. Denn hätten sich die beiden den alten Kahn vorher einmal genau angeschaut, hätten sie Schiffsbauer*innen befragt und Finanzpläne erarbeitet, würde jetzt kein verspieltes Luxus-Hausboot in Hamburgs Gewässern treiben. Doch die beiden sind verrückt genug, erstmal nur zu träumen. „Bisschen Renovieren, bisschen Streichen“ ist das Motto. Und beweisen damit, dass manches nur machbar ist, wenn man ausblendet, dass es unmöglich scheint. Erfahrung darin haben sie schließlich längst: Der eine hat sich seinen eigenes interaktives Kreativparadies mit dem Namen „Kliemannsland“ geschaffen und der andere ist vom jahrelangen Roadie hinter der Bühne selbst zum Herzblut-Musiker geworden.

Trotzdem sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass der Traum vom Hausboot natürlich nicht allein von Olli und Fynn realisiert worden ist. Ohne Bauleiter Max und das wackere Team an Helfer*innen hätten die beiden wohl noch viele Jahre an dem „Haufen Schrott“, wie Ollis Kumpel Bjarne Mädel ihn bei der ersten Besichtigung nannte, rumgeschraubt.

  1. Zwei Musiker

Auch wenn die Serie keine Musikdokumentation ist, spielt das Thema durchaus eine Rolle. Nicht zuletzt, weil das große Ziel schließlich ein schwimmendes Musiker*innenparadies werden sollte. „Henning May soll sich hier wohlfühlen“, scherzt Olli Schulz. So stehen nicht nur Handwerker*innen, sondern auch Musikproduzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic, Kante, AnnenMayKantereit, Turbostaat) stets mit Rat zur Seite. Auch darf man sich auf passende spontane Einlagen mit Olli freuen und überhaupt ist der gesamte Soundtrack mit den Melodien bekannter Songs der beiden gefüllt.

Über all dem liegt aber die grundsätzliche Idee, den Künstlerspirit von Gunter Gabriel nicht vom Boot verschwinden zu lassen. Hier soll neue Tonkunst erklingen, statt vermoderte Stille. Die Musik war damit ein wichtiger Antrieb, der das Projekt am Laufen hielt.

  1. Zwei Gegenpole

Doch im gleichen Rhythmus schwingen die beiden Musiker nicht immer. Ordentlich kracht es mitten in der Staffel. Das allbekannte Streitthema ist natürlich: Geld. Wer konnte denn ahnen, dass Restaurieren auch so verdammt teuer (hunderttausende Euro) ist? Zwei Meinungen prallen aufeinander, Missverständnisse entstehen, das Ego steht im Weg. Tobsuchtsanfall und fiese Chatverläufe inklusive. Doch die Doku schaut hier nicht weg – ein Projekt, das aus Träumen entstanden ist, birgt eben auch Konflikt.

Dass Fynn und Olli sich nicht nur böse streiten können, sondern auch wieder vertragen, spricht für ihre neue, tiefe Freundschaft. Schließlich haben sich die zwei erst kurz vor dem Bootskauf kennengelernt, wie Fynn anfangs betont: „Ich kannte Olli gar nicht, wir sind bisschen durch Hamburg getingelt und 2-3 Tage später kam er mit der Idee zum Hausboot um die Ecke.“

  1. Zwei Sympathieträger

Ohne eine Prise Selbstironie, vor allem aber das große Charisma, das die beiden Lebemänner mitbringen, hätte die Doku wohl nur halb so gut funktioniert. Dann wäre es bloß ein cooles „Einsatz in vier Wänden“-Revival mit Bootsspecial. Doch grade die enorme Eigenmotivation von Fynn gepaart mit der sprudelnden Energie von Olli und seinen schamlosen Neckereien sorgen dafür, dass die Serie nicht nur Handwerksabenteuer ist. Entertainment können die zwei – ob auf der Bühne, auf YouTube oder eben auf einem alten Kahn.

Zusätzlich nimmt sich die Doku immer wieder ausreichend Zeit für die Bedenken der beiden: Der eine hat Angst bald durchzudrehen, wenn er nicht bald mal eine Pause einlegt und der andere hadert, es nicht allen Recht machen zu können. Das wirkt ehrlich und verleiht der Serie die notwendige Tiefe.

„Das Hausboot“ mit Olli Schulz und Fynn Kliemann startet am 09. März 2021 bei Netflix. Die Doku umfasst vier Folgen, die jeweils 45 Minuten lang sind.

 

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