Das Treffen Der Generationen


Beim ME/Sounds-Schlagergipfel fiel die Nachwuchshoffnung Dieter Thomas Kuhn vor der Legende Costa Cordalis auf die

Der Schlager, der in den 8oer Jahren noch ob seiner Banalität verpönt war, hat plötzlich wieder Konjunktur – dank einschlägiger Parties und engagierter junger Musikanten wie Dieter Thomas Kuhn. Letzterer beruft sich in seinem Werk auf alte Schlager-Recken wie Rex Gildo und Costa Cordalis. Wodurch diese Herrschafften ein unerhofftes Comeback erfahren. ME/Sounds lud Vorbild Costa Cordalis und Fan Dieter Thomas Kuhn zum Gespräch.

Dieter, was ist das für ein Gefühl, hier mit Costa Cordalis an einem Tisch zu sitzen? Kuhn: Das ist natürlich super, weil Costa eines meiner ganz großen Idole ist. Ich hab‘ ja nicht umsonst mit ‚Anita‘ eines seiner Lieder gecovert. Im übrigen ist dies hier nicht meine erste Begegnung mit Costa. Im Sommer ’93 bin ich ihm schon mal begegnet, bei einem Festival in Tübingen. Er war dort Stargast. Meine Band und ich, die wir bis dahin nur Soul und Rock spielten, hatten gerade unsere ersten drei Auftritte mit Schlagermusik absolviert. Da war es Ehrensache, uns Costa anzuschauen. Naja, außerdem hatte ich eine Wette mit meinem Gitarristen verloren. Der Preis dafür war, daß ich solange auf Costa warten mußte, bis er mir ein Autogramm auf die Klampfe schreibt. Hier, der Beweis! (packt eine Gitarre aus) Dein Autogramm ist übrigens noch drauf. Cordalis: Ich sehe da noch eine andere Unterschrift… Kuhn: Ja, die von Rex Gildo! Cordalis: Die ist aber schon ein bißchen verwischt… Kuhn: Tja, Costa hält eben länger. Ihr nehmt eure Arbeit sehr ernst, auch wenn sie in erster Linie aus Spaßmachen besteht… Cordalis: Na klar, immerhin sind wir nicht nur Musiker, sondern eine Art Gesamtkunstwerk. Ich etwa bin ein Südländer, also bin ich beinahe zwangsläufig auf einen gewissen Typ in der Öffentlichkeit festgelegt. Kuhn: Richtig, ich sehe mich auch als Entertainer, mit durchgestyltem Outfit und dem Anspruch, meinem Publikum mehr als nur ein Konzert, sondern eine richtige Show zu liefern, bei der es zum Mitmachen animiert wird. Das ist verdammt harte Arbeit.

Costa, hast du nicht manchmal das Gefühl, daß Dieter die Songs von dir und deinen Kollegen persifliert?

Cordalis: Ach, Quatsch! Dieters Arbeit – und sein Erfolg – sind ein Segen für Leute wie mich, da er uns ein neues Publikum eröffnet. Ich meine, ein i5Jähriger kauft sich eine Kuhn-Platte, das ist cool. Nicht cool ist es, einen Schlager- oder Volksmusik-Radiosender zu hören.

Aber nur dort werden meine Lieder gespielt. Ich habe also nur über den Umweg von Dieter Thomas Kuhn als angesagtem Künstler die Chance, die Jugend zu erreichen.

Das ist doch genial.

Gibt’s eigentlich irgendeinen Anspruch, den ihr mit eurer Musik verfolgt?

Kuhn: Das ist wieder so eine typische, dämliche Journalistenfrage! Cordalis: Ganz genau!

Anno 1993: Dieter Thomas Kuhn (r.j läßt sich von Costa die Klampfe signieren Schön, daß ihr euch so einig seid… Kuhn: Mein einziger Anspruch ist, ein guter Entertainer zu sein. Cordalis: Der Job ist schwierig genug. Die Menschheit wollte und will immer unterhalten werden, von Künstlern wie mir. Ich bin also dazu da, den Leuten kraft meiner Lieder eine heitere, leichte Komponente in ihr Leben zu zaubern. Kuhn: Außerdem bringen Leute wie Costa und ich Stimmung in die Bude, wir machen Ramba-Zamba. Das ist doch super, oder nicht?

Warum gibt es dieses Schlager-Revival eigentlich erst jetzt und nicht schon, sagen wir mal, seit den 80er )ahren?

Kuhn: Weil es in den 8oern unmöglich für junge Musiker wie uns war, Schlager zu spielen. Das wäre zu nah an den Hörgewohnheiten unserer Eltern gewesen und an denen will keine Jugend zu keiner Zeit je sein. Doch heute, mit einer gewissen Distanz zu „Hossa“ und „Humba Humba Humba“, wissen wir den wahren Wert solcher Lieder erst richtig zu schätzen. Wir erkennen plötzlich, was für Kracher diese Songs sind. Echte Klassiker eben Cordalis: Genau, echte Klassiker. Darauf lege ich auch großen Wert.

Wie stellt ihr euch denn nun die Zukunft des deutschen Schlagers vor? Kuhn: Also, wir hören damit so schnell nicht wieder auf. Ich sehe das musikalische Potential des deutschen Schlagers noch längst nicht ausgereizt. Cordalis: Ich werde eh keine andere Musik mehr machen, egal, was passiert. Dafür bin ich schon zu lange in diesem Geschäft.