Zusammenfassung

Der König ist tot: Ein Rückblick auf die 4. Staffel von „Game of Thrones“

Zwei Hochzeiten und viele Todesfälle: Nicht nur das Attentat auf die Starks verschiebt die Machtverhältnisse in der vierten Staffel. Hinterlistige Morde, ungewöhnliche Paarungen und folgenreiche Entscheidungen sorgen in Westeros und Essos für Bewegung – und reichlich Blut- vergießen. Tief sitzt noch der Schock nach der „Roten Hochzeit“ – da wirkt es wie Hohn, schon früh in der vierten Staffel die nächste Trauung vorgesetzt zu bekommen. Die durchtriebene Margaery Tyrell steht, zum Vorteil beider Familien, vor der Vermählung mit König Joffrey Lannister-Baratheon, Sadist, Psychopath, Intrigant, Mörder, inzestuöser Widerling – und plötzlich tot. Moment, bitte, was ist passiert? Trifft es bei „Game Of Thrones“ nicht immer nur die Guten? Der süße, befriedigende Geschmack von Rache liegt auf der Zunge des Zuschauers. „All men must die“ gilt jetzt auch für Antagonisten der A-Riege. Endlich!

Naiv aber ist, wer glaubt, die Weichen seien damit auf Happy End gestellt. In „Game Of Thrones“ bleibt kein Tod ohne Folgen; was neben politischen Umbrüchen, neuem Machtgleichgewicht und frischen Intrigen vor allem Verderben und Tod für weitere Charaktere bedeutet. So kann das hochzeitliche Hochgefühl nicht lange anhalten. Dass der nah am Wahnsinn regierende Blondschopf Joffrey den Tod verdient hat, darin sind sich alle einig. Selbst Mutter Cersei gibt zu, dass das Verhalten ihres Sohnes sie schockiert habe – wenngleich schnell in Erinnerung gerufen wird, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, als sie und Bruder Jaime nicht einvernehmlichen Sex neben dem toten Körper des gemeinsamen Sohnes haben. Der Aufschrei jener Zuschauer, die „Game Of Thrones“ immer noch für eine moralische Serie gehalten haben, war hier abzusehen.

Tyrion in Rage

Herzerwärmend dagegen, wie „Königsmörder“ Jaime und der an Joffreys Tod unschuldige, aber ohne Hoffnung auf ein gerechtes Verfahren eingekerkerte Tyrion miteinander umgehen. Steht der einhändige Jaime seinem Bruder auch nicht beim Kampf gegen Gregor „Der Berg“ Clegane bei, verhilft er ihm doch zur Flucht aus dem Kerker, als alles verloren scheint. Der gefallene kleine Bruder erlegt vor der Reise nach Essos in Rage und Enttäuschung noch Lannister-Vater Tywin mit der Armbrust und erdrosselt die verräterische Geliebte Shae.

Kooperation
Steht kurz vor der Hinrichtung: Tyrion

Nicht weniger kompliziert gestaltet sich das Verhältnis zwischen dem moralisch flexiblen Jaime und der eidestreuen Ritterin Brienne of Tarth. Punkten kann der Lannister-Abkömmling, als er zu seinem Wort steht und den Plan verfolgt, die Stark-Töchter als Wiedergutmachung für seine Freiheit und sein Leben zurückzubringen: Zu diesem Zweck überlässt er Brienne sein aus Ned Starks Klinge geschmiedetes Schwert. Dass die jüngste Tochter, Arya, jene Waffe bald als Lannister-Schmiedung erkennt, stärkt das Vertrauen zu der grobschlächtigen, fremden Reiterin nicht unbedingt. Es kommt zum Kampf zwischen Eidwahrerin Brienne und Aryas Entführer/Todfeind/Aufpasser/Mentor Sandor „Bluthund“ Clegane, der zu aller Überraschung und weitgehender Genugtuung unterliegt. Arya verweigert dem Schwerverletzten, der während der gemeinsamen Flucht erstmals Menschlichkeit gezeigt hat, den Wunsch, von seinen Qualen erlöst zu werden, lässt ihn zum Sterben zurück und setzt sich nach Braavos ab. Aus dem aufmüpfigen, kleinen Mädchen erwächst eine Kriegerin, die Mitleid und Skrupel hinten anstellen kann, wenn es sein muss oder den in ihren Augen Richtigen trifft.

Eine Staffel Pause für Bran

Wo ihre Reise erst beginnt, nähert sich Bruder Bran seinem Ziel: Jenseits der Mauer soll er den „Dreiäugigen Raben“ treffen, um seine übernatürlichen Fähigkeiten zu entwickeln. Die kommen ihm bereits zugute, als er und seine Gefolgschaft in die Fänge von Wildlingen geraten. Die Flucht gelingt, indem sein Geist vom treuen, tumben, vor allem aber kräftigen Hodor Besitz ergreift, wovon der in unmittelbarer Nähe in einen Kampf verstrickte Jon Snow nichts mitbekommt. Während Brans Clique bald darauf auf die „Kinder des Waldes“, Nachfahren der Ersten Menschen, und den Dreiäugigen Raben, einen mit einem Baum verwachsenen, mystischen, alten Mann, treffen und dort eine Staffel lang durchatmen dürfen, überschlagen sich für Snow die Ereignisse unvermindert. Nach seinem Einsatz als V-Mann bei den Wildlingen vertraut man ihm auf der Schwarzen Festung nicht mehr, unterdessen Mance Rayders Armee von Norden heranrückt. „The Watchers On The Wall“ ist eine der wenigen Episoden der Serie, die sich auf einen Handlungsort beschränken und in beeindruckenden Bildern und spektakulären Actionszenen die Schlacht zwischen Nachtwache und Wildlingen zeigt. Riesen und Mammuts hauen drauf, Jons Geliebte Ygritte stirbt in seinen Armen.

Jon Snow (Kit Harington) im Kampf gegen Wildlinge.

Nur wenig weiter südlich muss Asha Greyjoy erkennen, dass ihr Bruder Theon durch die Folter des sadistischen Bolton-Bastards Ramsay Snow nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Schlimmer noch: Nach ihrem Abzug aus Winterfell benutzt Hundefreund Ramsay das Häufchen Elend dazu, Soldaten der Eiseninseln zu überlisten und daraufhin, ganz nach Familientradition, grausam zu häuten, um dafür als Bolton anerkannt zu werden. Von alldem völlig unbeeindruckt entschließt sich Daenerys Targaryen in Essos, ebendort ordentlich zu regieren, bevor sie in Westeros ein neues Fass aufmacht. Liebeleien und die Enttäuschung über den Verrat durch ihren Vertrauten Ser Jorah Mormont bremsen sie nicht dabei, die Stadt Meereen von der Sklaverei zu befreien.

Erst ein Mord, dann die Zuneigung

Man muss ja froh sein, dass nicht jeder ein so kalt kalkulierender Narzisst ist wie Petyr Baelish: Alles andere als selbstlos rettet er Sansa Stark davor, unschuldig für den Mord an Joffrey angeklagt zu werden und versteckt sie bei ihrer Tante Lysa Arryn. Dort platzt gleich eine Reihe erzählerischer Bomben: Nicht nur hat Baelish zusammen mit Margaerys Großmutter Olenna Tyrell den König vergiftet, um einen unberechenbaren Faktor loszuwerden; auch beim Mord an Jon Arryn zogen er und Lysa seinerzeit die Strippen, um einen Keil zwischen die Familien Stark und Lannister zu treiben. Konsequent zielorientiert stößt er Lysa kurz nach der gemeinsamen Hochzeit in den Tod, um anschließend Sansa seine Zuneigung zu gestehen.


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Dagegen fehlt es dem frisch eingesetzten König Tommen an eigenem Antrieb. In fast allen Belangen angenehmer als sein tyrannischer Bruder, ist der kindliche Regent schweigsam, zurückhaltend, manipulierbar. Nicht nur Mutter Cersei zerrt an ihm, vor allem Großvater Tywin gewinnt durch ihn an Einfluss. Doch auch Margaery Tyrell weiß ihren Charme einzusetzen. Dass das nicht gut gehen kann, ist offensichtlich. Der König ist tot. Lang lebe der König! Nur wie lange?

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Jon Snow ist tot: Ein Rückblick auf die 5. Staffel von „Game of Thrones“
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