Der Kopf Der Köpfe: David Byrne


„Die Musik ist natürlich in erster Linie Unterhaltung, aber für mich bedeutet sie mehr und hoffentlich auch für ein paar andere Menschen. Bin ich ein Künstler?“ (David Byrne 1992 in ‚Zounds‘)

David Byrnes Persönlichkeit läßt sich nicht auf Dauer vom korporativen Käfig einer Band domestizieren. Seine Kreativität schlägt in zu viele Richtungen aus. Daß er es überhaupt so lange mit den Talking Heads aushielt, liegt wohl nur daran, daß er die Band spätestens 1983 zum Gleitmittel seiner individuellen Konzepte – je nach Perspektive – herabstufte bzw. aufwertete. Er wußte stets die richtigen Allianzen zu schmieden, von denen er künstlerisch am meisten profitierte. Das ist nicht negativ zu verstehen, denn er gehörte nie zu jenen, die ihre Mitstreiter kreativ mißbrauchten. Die Talking Heads waren für ihn genauso eine Durchlauf-Station wie Brian Eno oder Ryuichi Sakamoto. Für seinen Soundtrack zum Bertolucci-Film „Der Letzte Kaiser“ erhielt er gemeinsam mit Sakamoto sogar einen Oscar. Nach ersten Einzel- und Duo-Ausflügen während der Talking-Heads-Ära fing seine eigentliche Sololaufbahn erst nach dem Split der Talking Heads an. 1989 veröffentlichte er das mit brasilianischen Musikern eingespielte Album REI MOTO zeitgleich mit der Gründung seines Weltmusik-Labels Luaka Bop. Auf UH-OH führte Byrne 1992 konsequent die Ästhetik des letzten Talking- Heads-Albums weiter. Unter der Regie von Arlo Lindsay kehrte er 1994 auf DAVID BYRNE zum reduzierten Format früherer Talking-Heads-Platten zurück. So einfühlsam zwischen Stille und Sound changierend, hatte man Byrne selten zuvor gehört. 1997 lieferte er auf dem in Kooperation mit Morcheeba entstandene Feelings vollere Elektro-Sounds. Auf dem Cover gab er sich als das, was er wohl schon immer gern dargestellt hätte: eine Plastik-Kopie seiner selbst. Bis zur Jahrtausendwende folgten einige extrem limitierte, exklusive oder nur über das Internet zugängliche Arbeiten. 2001 schließlich fand er mit Look Into The Eyeball zu seinem klassischen World-Pop-Konzept zurück. 2004 folgte mit Grown Backwards ein überambitioniertes Bekenntnis zu klassischer Kammermusik.