Der letzte Vorhang: Florian Fricke †

Seine Platten trugen Titel wie „Affenstunde“, „Hosianna Mantra“,“Das Hohelied Salomons“ oder „In den Gärten Pharaos“. Seine Kompositionen nannte er „Ich mache einen Spiegel“, „Kyrie“ oder „Agnus Dei“. Und seine Band hieß Popol Vuh – ein Begriff aus der Sprache der Maya, der übersetzt „Treffpunkt“ bedeutet. Genauso versponnen-kosmisch, wie die Namen seiner Arbeiten anmuten, hörte sich auch die Musik von Florian Fricke an. Ein seltsamer Mix aus Ambient-Soundlandschaften, klassizistischen Texturen, weltmusikalischen Motiven und Sphärenklängen aus dem Synthesizer – ein Instrument, dessen Möglichkeiten der gebürtige Lindauer bereits im Jahr 1969 – und damit lange vor den gerne als m Elektronikpionieren bezeichneten Kraftwerk – erforschte. Fricke, der an der Universität Freiburg Piano und Komposition studierte und später Schüler des Neutöners Paul Hindemith wurde, ist vor allem für seine Soundtrackarbeiten für die Filme von Werner Herzog bekannt geworden. Die fantasievollen Meditationen, die der Musiker in seinem Heimstudio in einem Bauernhaus am Tegernsee austüftelte, untermalten Streifen wie „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Nosferatu“, „Herz aus Glas“, „Cobra Verde“ und „Fitzcarraldo“. Wie so viele Musiker, die aus der Krautrock-Revolution der siebziger Jahre hervorgegangen waren, galt auch Prophet Fricke im eigenen Land wenig bis gar nichts. In England, in Kontinentaleuropa und in den Vereinigten Staaten dagegen wurde er in späteren Jahren als Pionier der Ambient- und Trance-Musik gefeiert. Florian Fricke verstarb am 29. Dezember 2001 im Alter von 57 Jahren in München.

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