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Die 50 besten Platten des Jahres 2015

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Platz 30: Four Tet – MORNING/EVENING

four-tet-morning-eveingText/Indigo (17.7.)
Manchmal ist es so einfach, das „andere“ Elektronik-Album zu machen. Man muss nur auf die Idee kommen. Kieran Hebden erreicht das auf dem achten Four-Tet-Album durch Rückbesinnung auf seine indischen Wurzeln. Die gesampelte Stimme der Bollywood-Sängerin Lata Mangeshkar dominiert die beiden ausladenden 20-minütigen Tracks. Hebden ummantelt den Gesang mit dem Standardwerkzeug von House (Bassdrum, Bassline, Hi-Hat), aber auch mit psychedelischen Spielereien, grell leuchtenden Synthesizer-Sounds, abstrakten Interludien und seinem typischen Mikro-Plinker-Plinker. Albert Koch

Platz 29: Jamie Woon – MAKING TIME

jamie_woon_making_time_album_message_the_405_new_music_newsPolydor/Universal (6.11.)
Jamie Woon ist der große Verlierer der Future-R’n’B-Bewegung. Während andere ProtagonistInnen zumindest Halbgöttinnen geworden sind, geschah mit dem Mann aus London nach seinem hervorragendem Debüt MIRRORWRITING 2011: nichts. Andere wiederum entfernten sich immer weiter von ihren Wurzeln und gingen Richtung mainstreamigem R’n’B (Jessie Ware). Woon aber lässt auf seinem zweiten Album MAKING TIME die Nähe zu House und Bassmusik immer noch spüren. Die Arrangements bleiben minimalistisch, die Beats furztrocken, nichts ist pseudo-dramatisch übersteigert. Albert Koch

Platz 28: Die Nerven – OUT

Die NervenGlitterhouse/Indigo (9.10.)
Auf ihrem ersten Album für die Indie-Institution Glitterhouse klingen die Stuttgarter trotz allen Kratzens und Beißens wesentlich eingängiger als noch auf ihrem Durchbruchswerk FUN. Dabei ist es die völlige Verweigerung, weder Punk noch Pop sein zu wollen, die OUT ausmacht. Der ungestüme Noise ist entschlackt worden, Sonic Youth bleibt jedoch weiter als feste Referenzgröße gesetzt. Sänger Max Rieger bellt und lallt sich durch seine Texte, ohne dabei die Melodiösität seines unterkühlten Vortrags zu verlieren. Zum Schluss der Platte ist die Stimme heiser und die Rotweinflasche leer. Dominik Sliskovic

Platz 27: The Internet – EGO DEATH

the-internet-ego-deathSony (13.11.)
Future Soul? Ein Mikrotrend mehr, den kaum einer registriert. Obwohl der Plan, als Gegenpol zum überproduzierten R’n’B der Gegenwart die Essenz des Soul mit minimalen elektronischen Mitteln einzugrenzen, durchaus Zukunft hätte. The Internet, die Gruppe der Odd-Future-Mitglieder Syd Tha Kyd und Matt Martians, begegnet dieser im UK geprägten Idee als Band, die ihre Songs im Jam entwickelt und dann schaut, was man davon weglassen oder verdichten kann. Nichts an ihrem dritten Album will Spektakel sein, aber der Flow dieser leichten und wehmütigen Platte ist spektakulär. Oliver Götz

Platz 26: And The Golden Choir – ANOTHER HALF LIFE

And The Golden ChoirLoob/Cargo (9.1.)
Deutschland hält jetzt auch ein Jahr ohne neue Musik vom Gropper-Konstantin aus, denn Tobias Siebert erreicht schon mit seinem Debüt unter dem Namen And The Golden Choir ein großes Niveau: Kammerpop für die vielen Liebhaber der späten Talk Talk, der jederzeit zur Himmelfahrt ansetzen kann, wo er dann zusammen mit den großen Liedern von Divine Comedy, Antony Hegarty und Radiohead auf den Wolken tanzt. Bewundernswert vor allem, wie viel Siebert von Arrangements, Produktion und Instrumentierungen versteht; „It’s Not My Life“ fasst diese Qualitäten besonders gut zusammen. André Boße

Platz 25: Tame Impala – CURRENTS

tame-impala-currentsCaroline/Universal (17.7.)
Es steht geschrieben, Kevin Parkers CURRENTS sei „more dance-oriented“ als die beiden Vorgänger seiner Band Tame Impala. Das soll uns der Verfasser aber mal vormachen, wie er dazu danct, ohne den floor unter den Füßen zu verlieren. Tatsächlich hat Parker eine Platte über die Schwerelosigkeit gemacht. Weniger inhaltlich, in seinen Zweifler-Lyrics bleibt Parker erdverhaftet, sondern dank seines dreisten Sounddesigns. Alles hier ist aufbrausender Synthesizer, ewiger Akkord, berstender Beat und Parkers effektgestrecktes Falsett. Ein funkelnder, schier endloser Strahl von einem Album. Oliver Götz

PLATZ 24: Locas In Love – USE YOUR ILLUSION 3&4

LocasInLove_CoverDownbeat/Warner (20.2.)
Das Coolste, was Axl Rose machen könnte, wäre, das Reunion-Album der Gunners USE YOUR ILLUSION V zu nennen. Der Egomane, der sein Werk sicher hin und wieder googelt, muss doch dieses Doppelalbum der Kölner Nachdenker mitbekommen haben. Gut, wird nicht passieren. Aber dass die Locas mit ihrem fünften Album endlich die deutschen Charts „knacken“, damit hätte man auch nicht gerechnet. Platz 90 für ein Album, das zur einen Hälfte aus herzerwärmendem Indie-Rock voll zitierfähiger Bonmots und zur anderen aus nach Kölner Haltestellen benannten Post-Rock-Instrumentals besteht. Stephan Rehm

Platz 23: Deichkind – NIVEAU WESHALB WARUM

Deichkind Albumcover ©SultanGüntherMusik.jpgSultan Günther/Universal (30.1.)
Aus den HipHop-Heads ist eine Band gereift, die Kommentar, Event und Pop-Phänomen gleichermaßen ist. NIVEAU WESHALB WARUM vereint Hommagen an 90s-Rap, Anti- Facebook-Hymnen, Führungskräfteparodien, kontemporäre EDM-Produktionen, Electroclash und Techno-Soundscapes. Es sollte nach 18 Jahren im Geschäft und mehreren Häutungen ihr erstes Nummer-eins-Album werden und den Erfolg von BEFEHL VON GANZ UNTEN fortsetzen. Avancierte damals „Leider geil“ zum Slogan, wird seit 2015 „Like mich am Arsch“, übrigens co-written by Maurice „Der Mann“ Summen, zitiert. Fabian Soethof

Platz 22: Björk – VULNICURA

BjörkVulnicuraEmbassy Of Music/Warner (13.3)
Es gibt Tausende Trennungsplatten, aber nur eine Björk: Viel tiefer dringt sie hier in die Abgründe und Widersprüchlichkeiten, in die allerletzten Gedankenwindungen und feinsten Gewebe einer sterbenden Liebe vor. Stürzt sich kopfüber in „these abstract complex feelings“ und findet poetische, versponnene Bilder: schwarze Seen, tanzende Atome und Treibsandlandschaften. Ihr achtes Album ist ein schmerzlich intimer Trip in Björks Welt: dramatische Streicher-Arrangements, berstende Elektronik und feenhafte Gesangsspiralen. Eigensinnig und von wundersamer Urgewalt. Annett Scheffel

Platz 21: Destroyer – POISON SEASON

DestroyerDead Oceans/Cargo (28.8)
Auf seinem zehnten Album ließ Dan Bejar die letzte Verblasenheit seines expressiven Songwriter-Pop fahren und lud gleich 20 Helfer zur Formvollendung. Die galoppierende Vorabsingle „Dream Lover“ klang, als hätte er die E Street Band übernommen. POISON SEASON war eine umwerfende Schwelgerei für den Zauber New Yorks. Jazzig, geheimnisvoll, episch. Mit Musical-Arrangements und einem Verständnis für das Songwriting von Bowie, Ferry, Springsteen und anderen Meistern der 70er-Rockpop-Schule, die den Gedanken, sich klein zu machen, ganz und gar absurd gefunden hätten. Oliver Götz

 

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©Sultan Günther Musik
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