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Die 50 besten Platten des Jahres 2015

von

Platz 5: Sufjan Stevens – Carrie & Lowell


Asthmatic Kitty/Cargo (27.3.)

Die Sache mit den Konzeptalben war für ihn eigentlich abgehakt. Anfang der Nullerjahre kündigte der bis dahin als experimenteller Singer/Songwriter mit Folkwurzeln bekannte Sufjan Stevens an, jedem US- Bundesstaat ein eigenes Album widmen zu wollen. Eine Geschichte, die größer zu werden drohte, als Stevens es jemals sein könnte, als Marketinggag und Anekdote enden würde und dennoch früh in ILLINOIS (besser bekannt als „Come On Feel The Illinoise“) gipfelte, seinem nach MICHIGAN erst zweitem und bis dato letztem Bundesstaaten-Album – einem erzählerischen und nahezu orchestralen Meisterwerk mit den „Hits“ „Chicago“ und „John Wayne Gacy, Jr.“. Das war 2005, danach widmete Stevens sich Weihnachtsalben und Klangkunstexperimenten.

Sufjan_Stevens

Als großer Songschreiber seiner Zeit meldete er sich erst 2015 mit CARRIE & LOWELL zurück – einem, ja, Konzeptalbum über seine Eltern. Schon das Artwork – ein zerknittertes Foto von Mutter Carrie und Stiefvater Lowell aus besseren Tagen – deutet an, dass Stevens’ siebte Platte mehr als ein „Wunderbare Jahre“- Soundtrack werden würde. Klar, Familienforschung entsteht auch aus Nostalgie, endet in ihrer Aufarbeitung bisweilen aber im Bermudadreieck zwischen Liebe, Leid und dunklen Einsichten. So beginnt Stevens seinen Reigen mit „Death With Dignity“, einer auf der Ukulele gezupften Hommage an seine 2012 verstorbene Mama, deren Tod auch dieses Album lostrat. „I don’t know where to begin“, wiederholt Stevens darin, es folgen zehn akustische Kleinode über Glauben, Geschichte, Reue, Trauer und Vergänglichkeit. Bis der Künstler in „No Shade In The Shadow Of The Cross“ seinen eigenen zeitweiligen Absturz nach Carries Ende umreißt, hat er den Hörer längst und schleichend mit herunter-, nein, hineingezogen in seine Zwischenwelt.

Sein größtes Verdienst aber ist es, derart pathetische Themen und Allgemeinplätze so anzugreifen und umzusetzen, dass sie von Kitsch und Pathos nicht weiter entfernt sein könnten. Live bietet Sufjan Stevens Zeilen wie „We’re all gonna die“ noch jenseitiger und konzentrierter dar. Da steht er dann und dankt dem ergriffenen Publikum dafür, dass es seinen Liedern über Tod und Trauer so viel Leben einhauche. Man danke ihm für das Glück, an einem solch leisen Album teilhaben zu dürfen. Fabian Soethof

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