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Die 50 besten Platten des Jahres 2015

von

Platz 3: Bilderbuch – SCHICK SCHOCK


Maschin Records/Virgin/Universal (27.2.)

Bilderbuch klingen wie ausgedacht. Vermutlich stimmt das auch. Bilderbuch selbst haben sich Bilderbuch ausgedacht. Das macht aber nichts, denn die Gedankengänge, die diesem Konstrukt zugrunde liegen, machen diese wunderbare Platte erst möglich. Aus der einstigen Indie-Band, von der man immer nur den Namen, aber nie die Musik kannte, ist eine Gruppe geworden, die kühne Musikentwürfe in den Himmel schießt und dabei auf alle Beschränkungen verzichtet. Interessant ist dabei, dass es sogar in der Biografie des Albums so eine Art Entwicklung gibt. Wo die Vorab-Singles „Plansch“ und „Maschin“ riesengroße, exakt ausgearbeitete Popsongs waren, deren virale Durchmärsche keinesfalls nur an den hochästhetischen Videos lagen, sind die restlichen Songs eine clever verkittete Collage, deren Statik sich sekündlich neu erfindet, die aber nie Gefahr läuft, zu zerbrechen.

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Bezugspunkte zu erkennen, ist deswegen einfach und schwer gleichermaßen. Natürlich ist das Pop, der Rezeptionsraster bedient, der hochmodern produziert ist, aber seinen Bass aus den 70er-Jahren holt. Man muss an viele und vieles denken, etwa an Tone Lōc, die E.A.V., Daft Punk, Kanye West, Electric Light Orchestra, Falco und Prince. Gleichzeitig sind all diese Assoziationen volatil und werden von Maurice Ernsts Lyrics in den Hintergrund gedrängt. Der Blonde, gleichzeitig Supernerd und supersexy, generiert ein total artifizielles Sommer-Feeling voll von Coca-Cola, Fanta, Sprite, von Swimming-Pool- und Copacabana-Gedanken. Mit „Nie Down, höchstens Downtown“ („Gigolo“) liefert er nebenbei die beste Textzeile des Jahres ab.

Viele ordneten dieses Album 2015 irgendwo ein, betrachteten es als Teil einer größeren Bewegung, für die der an sich gut zusammengefaltete Begriff Austropop wieder aus dem Wäschekoffer mit der Winterbekleidung gezerrt wurde. Wir sind da vielleicht nicht frei von Schuld, sagen aber hier und heute: SCHICK SCHOCK ist eine Platte, die über den Orten und Zeiten schwebt, ein „Tropical Island“ der Popmusik. Jochen Overbeck

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