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Ein Jungstraum: Oliver Korittke eröffnet Popkultur-Museum ‚Generation 13‘

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Was die 600 Quadratmeter große Spielstube, genannt Generation 13, so sympathisch macht?  Dass hier niemand versucht, einem die ausgestellten Exponate – rare Turnschuhe in rauen Mengen (genauer: über 2000 Stück), die legendären Spy vs. Spy-Figuren der MAD Comics, die Schlümpfe, Heinzelmännchen, KISS, die Sex Pistols oder Gorillaz, alle aus Plastik und in Miniaturformat (ca. 5000 Stück), oder die überholte Spielkonsole aus den 80ern – als Hochkultur zu verkaufen. Als Popkultur vielleicht. Aber im Grunde bekommt man den Eindruck, es ginge Schauspieler Oliver Korritke und seinen beiden Partnern Niklas Beckert und Oliver Kircher eher darum, einen Ort für die eigene Leidenschaft eröffnet zu haben. Und eine Plattform zum Austausch für Sneaker- und Comicfans auf der ganzen Welt. Vielleicht aber hatten alle drei auch nur keinen Platz mehr in den eigenen vier Wänden. Schließlich stammen die meisten Exponate aus ihrem eigenen Besitz.

Wie eine Zeitreise kommt es einem vor, wenn man unweit des Hackeschen Marktes in Berlin durch die rohen Betonräume des Museums schlendert. Denn ähnlich wie in unseren Kinderzimmern werden auch hier nicht Comics von Actionhelden von Baseballcaps oder Plattencovern fein säuberlich getrennt, sondern stattdessen alles zusammengewürfelt. Je nach Thema, zeitlichem Kontext oder Lust und Laune. Sogar ein 80er-Jahre-Kinderzimmer gibt es und irgendwo steht auch Korittkes Bonanza-Rad.

Ziemlich amerikanisch wirkt diese Veredelung der Alltagskultur. Aber das soll so sein. Auch der Museumsname stammt aus Übersee und bezeichnet die 13. Generation nach Gründung der USA. Eben die, die zwischen 1961 und 1981 geboren ist, mit Videokonsolen, Kabelfernsehen, MTV, Skateboards, aber auch wenig Illusion aufwuchs – und später von Douglas Coupland als Generation X bezeichnet wurde.

Und vielleicht ist genau dies das Geheimnis des Konzepts: Zwar wird hier einerseits dem Konsum ein Denkmal gebaut, diesen Konsum hat man als Kind aber so unschuldig betrieben, dass es andererseits eben auch ein Ort der kindlichen Phantasien und Herzensangelegenheiten ist.



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