Eine sichere Bank


In elf Jahren entwickelte sich Freibank vom alternativen Musikverlag zu einem weltweit agierenden Unternehmen.

Eine der erstaunlichsten Blüten in der zerklüfteten Landschaft des deutschen Musikgeschäfts wächst am Hamburger Hafen. Kein Label, keine Plattenfirma, sondern ein Musikverlag öffnet diesmal seine Archive. Die eher trockene juristische Definition täuscht darüber hinweg, daß sich die Freibank Musikverlage modernster Kulturarbeit widmen. Gegründet wurde das Unternehmen vor elf Jahren auf Betreiben von Mark Chung, damals Mitglied der Einstürzenden Neubauten. „Die GEMA hatte damals eine Art Monopol auf die Sicherung von Urheberrechten“, erläutert Markus Linde, der für Sony das „Dragnef‘-Label gründete und nun als Freibank-Direktor weltweit Musiktitel verwaltet. „Wenn ein Song zum Beispiel im Radio gespielt oder irgendwo auf CD gepreßt wird, müssen die Verantwortlichen Gebühren an die GEMA zahlen, die diese dann den jeweiligen Autoren zukommen läßt. Nach Abzug ihrer Kommission und in halbjährlichem Turnus, versteht sich. Unsere Ausschüttung findet dagegen vierteljährlich statt.“ Initiale Idee zur Gründung von Freibank war nämlich, daß der Verlag die Lizenzen der Künstler direkt eintreibt: „Unsere Künstler sind trotzdem bei der GEMA gemeldet, wir haben unsauf die sogenannten ‚Mechanicals‘ konzentriert – also wenn Titel auf CD gepreßt werden. ‚More & Faster‘ lautet unser Ur-Slogan. Wir zahlen keine Unsummen an Vorschüssen, aber vor allem Nicht-GEMA-Mitglieder, wie zum Beispiel die Amerikaner von Pro Pain, wissen unseren direkten Weg zu schätzen.“

Die Vorteile dieser Dienstleistung – von Freibank vor Gericht als Präzedenzfall erkämpft – liegen auf der Hand. Ließen sich zunächst vorwiegend Freunde der Einstürzenden Neubauten (z.B. Nick Cave, Diamanda Galas oder Foetus) ihr Copyright von Freibank sichern, so ist der Katalog der Hamburger mittlerweile auf 20.000 Werke angewachsen, von Drum ’n‘ Bass über Techno bis HipHop. Lag der Schwerpunkt Ende der 8oer Jahre noch im Gothic- und Avantgarde-Bereich, so hat er sich inzwischen verschoben zu progressiver Danceund Elektronikmusik sowie zu Werken aus Lateinamerika – die „Ediciones La Palmera“ sind das persönliche Steckenpferd von Klaus Maeck, Managing Director des Verlags. Auf seine Initiative gehen auch die „Music For Films“-Compilations zurück, mit denen Freibank international für Aufsehen gesorgt hat. Die Sampler mit rhythmusorientierten Tracks aus dem enormen Pool der Firma genießen nicht nur bei anspruchsvollen Hörern Kultstatus, sie dienen auch als ideales Promotion-Werkzeug, um eigenen Künstlern Aufträge seitens der TV-, Computer- oder Filmindustrie zu vermitteln. „Wir leisten nicht nur administrative Arbeit“, betont Markus Linde,“sondern betreiben auch Aquise.“ Durch das daraus resultierende enge Verhältnis zu den Künstlern fielen Freibank fast automatisch auch andere Aufgaben zu. Neben Artist Consulting und Management (Einstürzende Neubauten) kümmern sich Maeck und Linde auch um A & R, Produktion, Promotion und Marketing: „Für uns zählt die Kreativität des Künstlers mehr als sein Tonträger“. Und das mit Erfolg an allen Fronten.- Ian Pooley veröffentlichte 1998 sein gefeiertes Album „Meridian“ weltweit auf V2, sein Kollege TJ Tonka war auf Fatboy Slims Remix-Album „On The Floor At The Boutique“ mit dem Titel „Phunky“ vertreten. Mit Fettes Brot und Fünf Sterne Deluxe boomt auch die HipHop-Abteilung des Hauses, während die Latino-Punker Ninos Con Bombas auf den größten Festivals Südamerikas abräumen. Stefan Trottnow, Royality Manager und Initiator der Freibank-CD im ME, hält es daher für geboten, den Verlag auch dem „Endverbraucher“ einmal vorzustellen. Genau dieses Ansinnen verwirklicht Musikexpress-Sounds nun mit dem vorliegenden Beitrag und der beigefügten CD. Nach Lektüre und Hörprobe dürfte selbst kritischen Geistern klar sein, worauf es den Freibänklern aus Hamburg ankommt: auf erstklassige Musik verbunden mit erstklassiger Dienstleitung.