Eurovision Song Contest: Warum der ESC 2023 nicht in der Ukraine stattfinden kann

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Es hat eine lange Tradition: Das Siegerland des Eurovision Song Contest (ESC) trägt im darauffolgenden Jahr den Musikwettbewerb bei sich aus. Nun wird die Regel zum ersten Mal seit 1980 gebrochen, wie die Europäische Rundfunkunion (EBU) in einem Statement Mitte Juni bekanntgab. Nun wurde die Erklärung in einem neuen Statement erweitert.

Grund dafür ist und bleibt der nach wie vor anhaltende Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Den diesjährigen Eurovision Song Contest hatte nämlich das ukrainische Kalush Orchestra mit seinem Song „Stefania“ gewonnen, sodass der nächste ESC eigentlich in dem kriegsgeplagten Land stattfinden müsste. Das ist aber angesichts der aktuellen Lage laut der Europäische Rundfunkunion nicht möglich. Laut dem Statement sei der ESC „eine der komplexesten TV-Produktionen in der Welt, an der tausende Mitarbeiter beteiligt sind und das 12 Monate Vorbereitung benötigt“.

Nachdem sich die EBU sowohl mit den ukrainischen Verantwortlichen und unabhängigen Spezialisten ausgetauscht hat, musste sie „mit Bedauern“ feststellen, dass die Ausrichtung des ESC in der Ukraine im nächsten Jahr nicht möglich sein wird. Die EBU dankt in dem Statement dem ukrainischen Sender für die Kooperation und betonte, dass man die „Traurigkeit und Enttäuschung“, dass der Wettbewerb nicht in der Ukraine stattfinden kann, teilen würde.

In dem neuen Statement ist ferner und unter anderem davon die Rede, dass eine Veranstaltung dieser Art und Größe ein zu hohes Risiko mit sich bringen würde. Der Austragungsort könnte als mögliches Angriffsziel der russischen Kriegsführung gesehen werden. Über 10000 Mitarbeiter*innen und 30000 Fans seien jedes Jahr an dem ESC-Finale beteiligt, deren Sicherheit sei die größte Sorge der Verantwortlichen. An die Ukraine angrenzende Länder erfüllten leider nicht die Voraussetzung für die Produktion eines solchen Events. Außerdem hätten nicht ohne Grund sämtliche großen Tourneeveranstalter Konzerte ihrer Acts 2023 in der Ukraine abgesagt.

Eurovision Song Contest 2023 in Großbritannien?

Nun wird Europäische Rundfunkunion das Gespräch mit Großbritannien suchen, um die Möglichkeiten der Ausrichtung im Vereinigten Königreich auszuloten. Der britische Sänger Sam Ryder war bei dem diesjährigen ESC in Turin auf dem zweiten Platz gelandet. Aber auch wenn die Show im nächsten Jahr in Großbritannien stattfindet, soll der ukrainische Sieg in den Shows 2023 unbedingt „reflektiert“ werden. Das sei ein Schwerpunkt der Gespräche mit jedem potenziellen Gastgeberland.

Das Kalush Orchestra hatte bei dem ESC 2022 631 Stimmen erreicht, und vor allem aufgrund der vielen Zuschauerstimmen für die Ukraine gewonnen. Bei dem Juryvotum lag zuvor noch Sam Ryder in Führung. Die ESC-Siegestrophäe versteigerte der Kalush-Sänger Oleh Psiuk später, das gläserne Mikrofon brachte wohl ganze 900.000 Dollar ein, mit denen die Band die ukrainische Armee im Kampf gegen die russische Invasion unterstützen wollte.

Der deutsche Sänger Malik Harris landete bei dem diesjährigen ESC auf dem letzten Platz. Damit belegte er zwar den gleichen Rang wie der deutsche Beitrag im Jahr davor, ein positiver Trend war aber dennoch erkennbar. Harris konnte die Punkte aus dem vergangenen Jahr verdoppeln – von 3 auf 6.

Der Eurovision Song Contest fand bereits in der Vergangenheit des Öfteren nicht in dem Siegerland des Vorjahres satt. Zuletzt 1980, als Israel zum zweiten Mal in Folge gewonnen hatte und nicht erneut die aufwendige Show ausrichten wollte. Damals sprang die Niederlande ein, sodass der Wettbewerb in Den Haag stattfand.


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