Ghetts zu zwölf Jahren Haft verurteilt: Fahrerflucht mit Todesfolge

Betrunken gerast, geflüchtet, verurteilt: Ghetts bekommt zwölf Jahre Haft. Was in jener Nacht in London geschah.

Der britische Grime-Künstler und Schauspieler Ghetts ist am 3. März 2026 zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Großbritannien sprach ihn der fahrlässigen Tötung schuldig. Das Urteil wurde am Londoner Old Bailey verkündet. Richter Mark Lucraft entzog dem Musiker zusätzlich für 17 Jahre die Fahrerlaubnis.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ereignete sich der Vorfall am Abend des 18. Oktober 2025. Ghetts war in der Londoner Innenstadt unterwegs, nachdem er Alkohol konsumiert hatte. Mit seinem BMW M5 raste er auf dem Heimweg mit über 110 Kilometern pro Stunde durch Wohngebiete im Osten Londons. Überwachungsaufnahmen zeigten laut Gericht eine „entsetzliche Aneinanderreihung von Vorfällen“.

Tödliche Fahrerflucht

Der Richter bezeichnete das im Prozess gezeigte Videomaterial als „schockierend“. Ghetts habe sechs rote Ampeln überfahren, mehrfach auf die Gegenfahrbahn gewechselt und sei mit einem Motorrad sowie einem Mercedes kollidiert.

Als er den 20-jährigen Studenten Yubin Tamang mit rund 110 Kilometern pro Stunde in einer 30-Meilen-Zone erfasste, wurde dieser durch die Luft geschleudert und erlitt schwerste Verletzungen. Ghetts setzte seine Fahrt fort und fuhr nach Hause, ohne anzuhalten. Laut Medienberichten wurde das Opfer ins Krankenhaus gebracht, erlag jedoch zwei Tage später seinen Verletzungen.

Vor Gericht legte Ghetts ein Geständnis ab und räumte ein, stark alkoholisiert gefahren zu sein. Er habe panisch reagiert und die Unfallstelle verlassen. Das Gericht wertete insbesondere die Kombination aus Alkoholkonsum, massiven Verkehrsverstößen und Fahrerflucht als besonders schwerwiegend.

Statements vor Gericht

Im Rahmen der Urteilsverkündung wurde laut UK-„Rolling Stone“ eine persönliche Erklärung des Musikers verlesen, die er über seinen Verteidiger eingereicht hatte. Darin wandte Ghetts sich direkt an die Familie des Opfers. Es sei möglicherweise seine einzige Gelegenheit, seine aufrichtige Entschuldigung zum Ausdruck zu bringen. Er beschrieb seine Tat als unbeabsichtigt, sprach von tiefer Reue, Scham und Verantwortung und schrieb, es tue ihm unendlich leid für das Leid und den emotionalen Schmerz, den er verursacht habe.

Die Mutter des Opfers, Sharmila Tamang, äußerte sich ebenfalls im Gerichtssaal. Sie schilderte, dass ihr Kind als einziger Sohn der Familie für sein Studium ins Vereinigte Königreich gekommen sei und eine große Zukunft vor sich gehabt habe. Durch das rücksichtslose Verhalten eines anderen Menschen sei ihr Kind aus dem Leben gerissen worden. Den Schmerz beschrieb sie als unermesslich; das Leben ihrer Familie sei für immer verändert.

Karriere zwischen Musik und Schauspiel

Ghetts ist seit über zehn Jahren eine prägende Stimme der britischen Grime-Szene. Er veröffentlichte mehrere erfolgreiche Alben und arbeitete mit bekannten Künstlern wie Skepta, Stormzy, Giggs und Ed Sheeran zusammen. Neben der Musik war er auch als Schauspieler in der Netflix-Serie „Supacell“ aktiv.

Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte er mit den Dreharbeiten zur zweiten Staffel begonnen, die etwa eine Woche vor dem Vorfall angelaufen waren. In der Serie spielte er die Rolle des Antagonisten „Krazy“. Mit dem Urteil endet die öffentliche Karriere des Musikers vorerst.