Gil Ofarim soll wegen Davidstern in Leipziger Hotel abgewiesen worden sein

von

Musiker und „Let’s Dance“-Gewinner Gil Ofarim beschuldigt das Personal der Hotelkette Westin in Leipzig, dass man ihn an der Rezeption nicht habe einchecken wollen, weil er eine Kette mit Davidstern um den Hals trug. In einem Video, das der Künstler am Dienstag (05. Oktober) auf Instagram postete, sitzt er vor dem Eingang des Hotels und schildert, was er am Vortag erlebt habe.

Fassungslos erzählt der 39-Jährige, was beim Einchecken im Hotel passiert sei: Laut eigener Aussage habe er ungewöhnlich lange darauf gewartet, um ein Zimmer zugewiesen zu bekommen. Für anfängliche technische Schwierigkeiten habe er Verständnis gehabt – nach fast einer Stunde Wartezeit habe Ofarim das Personal dann aber darauf angesprochen. Daraufhin soll ein „Herr W.“, den der Sänger als „Management der Rezeption“ beschreibt, ihm zunächst keine klar verständliche Antwort gegeben haben: „Um die Schlange zu entzerren“, seien seine Worte gewesen, was Ofarim als Grund nicht verstand. „Und dann ruft irgendeiner aus der Ecke: ‚Pack deinen Stern ein.‘“

„Und er sagte: Wenn ich den Stern einpacke, darf ich einchecken“

Herr W., dessen voller Name von Ofarim nicht genannt wird, soll dies noch einmal wiederholt und bestätigt haben, so der Sänger in seinem geteilten Instagram-Video. Gil Ofarim trug zum Zeitpunkt des Vorfalls ein Kette mit Davidstern um den Hals, die der Sänger auch für das Video mehrmals in die Kamera hält. Sollte dieser Vorfall der Wahrheit entsprechen, wäre Ofarim wegen des offenen Tragens eines Symbols des Judentums am The Westin Leipzig abgewiesen worden, was einen klaren antisemitischen Beweggrund seitens des Hotelpersonals darstellen würde.

 

View this post on Instagram

 

Ein Beitrag geteilt von Gil Ofarim (@gilofarim)

Zum Video schreibt Ofarim: „[…] haben wir denn nichts nichts aus der vergangenheit gelernt?..bin sprachlos!.. es ist nicht das erste mal, aber irgendwann reicht es … […]“ Der Sänger bedankt sich ebenfalls bei Kolleg*innen, die ihm in der Nacht des Vorfalls Beistand geleistet hätten.

Dem „Berliner Kurier“ gegenüber soll Marriott International, der Mutterkonzern des Westin-Hotels in Leipzig, eine Stellungnahme abgegeben haben. Eine Sprecherin des Unternehmen habe der Zeitung gegenüber gesagt: „Wir ermitteln dringend, um herauszufinden, was hier passiert ist“. Ob und wie dieser Vorfall aufgearbeitet wird und zu welchen Konsequenzen dies beim Bewahrheiten der Anschuldigungen führen könnte, wurde zunächst nicht erklärt. Auf Nachfrage anderer Medienhäuser sollen weder die Beteiligten, noch das Management geantwortet haben.

Gil Ofarim erzählte 2018 in der Polit-Talkshow „Hart aber Fair“ bereits von seinen persönlichen Erfahrungen mit dem immer noch präsenten Antisemitismus innerhalb der deutschen Gesellschaft. Von „Hakenkreuzen auf meiner Schulbank“ war da die Rede gewesen. Einmal soll ihm ein Mitschüler gesagt haben: „Weißt du, dass Dachau nicht weit weg von hier ist?“, und spielte damit auf das ehemalige Konzentrationslager in Dachau an.

Mit „Deutschland 2021“ beendet Ofarim das Video – und zeigt sich damit fassungslos, dass 76 Jahre nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland Millionen Menschen der eigenen jüdischen Bevölkerung systematisch ermordeten, Antisemitismus heute immer noch in der Gesellschaft präsent ist.


Tatort: Nora Tschirner bestätigt Aus als Kommissarin „Dorn“
Weiterlesen