Haindling


Haindling sind so bayrisch wie BAP kölsch. Die Band heißt nach dem niederbayrischen Wohnort des Mannes, der alle Nummern komponiert, textet, singt und wenn’s sein muß auch jedes Instrument spielt. Hans-Jürgen Buchner lebt gern in Haindling — auf Nordlichter, zumal großstädtische, dürfte er also mitunter etwas schratig wirken. Und wenn Haindlini! in der Höhle des Franz-Josef spielen, ist Oktoberfest. Zum Münchner Konzert waren sämtliche motorisierten Land-WGs Oberbayerns angereist, und mehr als die Hälfte des Publikums konnte das komplette Repertoire auswendig mitsingen.

Hans-Jürgen Büchners skurrile Hirnkaspereien sind aber auch wesentlich spaßiger als das Genöhle der Lages und Maahns dieses Landes. „Du Depp, du Depp, du Depp, du depperter Depp, du! Schon von weitem sieht u jeder Depp: du kommt a Depp!“ Grönemever würde sowas nie singen, aus Angst, er könnte irgendwelche Minderheiten verletzen.

..He! Spinn i? Oder bin i jetzt im Himmel?“

Die sechs Mann spielen Kraut-Funk und Jazzrock mit starker Betonung folklorisüsch-babajuwarischer roots: jede Menge Gebläse (Saxophone. Tuba, Trompete). Akkordeon, dazu immer mindestens zwei Mann an den Tasten, aber keine Gitarre. Den Antrieb der schnellen Nummern machen Schlagzeug und Baß unter sich aus, wobei letzterer deutlich mehr Eindruck hinterließ und immer wieder begeisterte Publikumszurufe ä la „Tscharlie, du Tier!“ erntete.

Den“.Ausländern“ in der Zuhörerschaft muß natürlich zwischendurch immer mal wieder erklärt werden, worum es überhaupt geht: Texte wie „Mo mah du!“ würden sich dem Nicht-Bayern sonst nur schwer oder überhaupt nicht erschließen. Trotzdem handelt es sich hier nicht um einen weiteren, auf Steigerung des Fremdenverkehrs ausgerichteten Exportartikel des Freistaats. Der kauzig-tanzbare Liedermacher Hans-Jürgen Buchner hat seinen eigenen, unverwechselbaren Folk-Groove erfunden.