Hirnflimmern: Josef Winkler über Crystal Meth und einst legendäre „Beatles-Abende“

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Ist es denn zu fassen: der Beck mit Crystal Meth! Nein, nicht DER Beck, der ist Sciento­loge, das ist ja noch viel schlimmer als Crystal Meth. Aber der Volker Beck! Mit Crystal Meth! Wie, Sie erinnern sich nicht? War damals, als ich diese Kolumne schrieb, Tagesgespräch: Der Volker Beck mit Crystal Meth! OMG! etc. Und sowieso musste der von allen Ämtern zurücktreten, und eigentlich soll er auch noch aus dem Bundestag raus, weil: Politiker haben schließlich Vorbildfunktion!

Komischerweise muss derjenige Politiker NICHT als Vorbild zurücktreten, der zum Beispiel im Parlament für das „Asylpaket II“ stimmt und dafür sorgt, dass durch Kriege zerrissenen Familien fürchterliches seelisches Leid angetan wird, was natürlich eine so asoziale Drecksauerei ist, dass man sagen möchte: Dann lieber einen crystalrauchenden Scientologen in die Bütt! Oder der immerzu eine „Obergrenze“ für Flüchtlinge fordert, wo man gerade in diesen Tagen des beckschen „Drogen­skandals“ an der griechisch-mazedonischen Grenze die einzige logische Folge eines Aufnahmestopps sehen kann. Es ist schon komisch: Ich schreib hier lustig Kolumne, während auf einem schlammigen Acker in Griechenland traumatisierte Eltern mit ihren frierenden Kindern quasi in unserem Auftrag wie Viehzeug behandelt werden.

Josef-Winkler-Hirnflimmern-weiss.jpgAlso jedenfalls: Früher haben die Jugendlichen die Drogen genommen (zumindest weitgehend), dafür aber (ebenso weitgehend) ihre Eltern nicht mit in die ­Disco. Ich habe da letztens eine Generationsproblematik erlebt: Freudig waren mein guter Freund Helmut und ich in den alten Stammclub gewackelt – nach langer Zeit war mal wieder einer der einst legendären „Beatles-­Abende“ angesetzt. Das kam uns zwei Modepüppchen gerade recht: Super Stimmung wie früher zu super Musik von NOCH früher! Aber ach, die goldenen Zeiten vom Mühlbacher Sepp, Beatles-DJ aus Passion, der mit kundiger Hand bis in die späte Nacht noch die hintersten Winkel des fabfourschen Œeu­vres erforschend die Puppen resp. Connaisseure hatte tanzen lassen – sie waren offenkundig vorbei.

Der Laden war mies besucht, unfreundlich pfiff ein Luftzug aus dem Männerklo, und am DJ-Pult hantierte ein uns unbekannter Typ, dessen betäubend uninspirierter Zugriff auf den Beatles-Songkatalog nur noch durch seine „skills“ unterboten wurde, die durch das offenkundige Fehlen neuronaler Verbindungen zwischen Ohren, Händen und Gehirn geprägt schienen. Nicht nur hatte er die Geschwindigkeit der CD-Player zu idiotisierendem Chipmunks-Effekt voll auf Plus gedreht, nein, ER FADETE DIE SONGS EIN! Irre.

Wieder eine Illusion über die Reproduzierbarkeit vergangener Glorien ärmer gesellten wir uns zu den Rauchern draußen vor der Tür und lästerten haltlos wie die Teenager über den DJ. Leute drängten sich zwischen uns durch, mich traf der eisige Blick einer jungen Frau: „Redet ihr vom DJ?“ – „Äh, ja, warum?“ – „Das ist mein Papa!“ O tempora …

ME

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