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Jan Joswig kontrolliert: Yoann Lemoine

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Yoann Lemoine zeigt den typischen, globalen Kreativen-Look: Denim, Karo, Basecap. Doch seine Videos als Woodkid donnern wie Thors Hammer.

Yoann Lemoine selbst verschwindet mit seinem Klamottenstil völlig hinter der Ästhetik seiner Videos, in denen er nicht auftritt. Was dem einen sein Garderobenschrank, ist Woodkid sein Videostudio. Damit verfolgt er das Gegenmodell zu Lady Gaga und allen anderen Popstars, die sich visuell hauptsächlich über ihren Kleidungsstil positionieren. Lady Gaga benutzt ihren Körper als Austragungsfläche für ihre Identitätsspielereien. Was sie an exzentrischen Kostümen trägt, definiert ihre Popidentität. Dafür muss sie eine Allianz mit dem Stylingexperten Nicola Formichetti eingehen. Yoann Lemoine befreit seine Person konsequent von der Repräsentationspflicht und verschiebt sie auf Videos, die er unter anderem für Taylor Swift, Katy Perry, Rihanna oder Lana Del Rey drehte.

Die pompös archaischen Welten seiner Woodkid-Videos, zwischen Fritz Langs „Metropolis“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“, finden keinerlei Fortsetzung in seinem persönlichen Kleidungsstil. Man würde sich ihn als die leicht studentische Variante von Sisters-of-Mercy-Frontmann Andrew Eldritch, von Marilyn Manson oder Skrillex vorstellen. Aber Yoann Lemoine hält sich bedeckt als der nette Darkroom-Nachbar in Denim, Karo, Baseball-Kappe und mit unkratzigem Vollbart. So wie heute jeder Eineinhalbte aus der globalen Kreativbranche aussieht.

Nur die altertümlichen Schlüssel, die er als Tattoos auf den Unterarmen trägt, weisen hinüber in seine Videowelt. Besser könnte Yoann Lemoine gar nicht die Psychologie des Pop-Versprechens für Schüchterne bedienen: Das Mauerblümchen im Diesseits hält den Schlüssel zu einer monumentalen Heldenwelt im Pop-Jenseits in den Händen.

Wer solche Videos hervorbringt, darf tatsächlich tragen was er will. Seht hier das Video zu „I Love You“ von Woodkid:


Warum Woodkid einen so hervorragenden Ruf genießt
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