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Johnny Marr: Der Mann ist ein Healer

Die schlechte Nachricht zuerst: eine The-Smiths-Reunion wird es in absehbarer Zukunft wohl nicht geben. Die gute Nachricht: Alles deutet darauf hin, dass Johnny Marr uns mit seiner Band The Healers beglücken wird. Erste Meldungen über Aufnahmesessions mit den neu formierten Healers gab es bereits Mitte September. Dazu drei Testgigs in Manchester – und nun ein gut 60-minütiges Konzert in New York.

Den Rahmen dazu bot „Ray-Ban Raw Sounds“, eine Veranstaltung, deren Konzept Marr für den Sonnenbrillenhersteller erdacht hatte. Im Sommer hatte er ein paar handverlesenen Bands, darunter Brooklyns Darlings Au Revoir Simone, Mona aus Nashville und Best Coast aus Los Angeles fünf Elemente vorgegeben: ein Gedicht, ein Foto und eine Gitarrenmelodie von ihm sowie ein Schiller-Zitat und eine Karte von Manhattans Lower East Side. Davon inspiriert komponierten diese je einen Song, den sie nun mit Marr vorstellten.

Der New Yorker Event fand in einer ehemaligen Kirche in der Lower East Side statt. Wo früher gepredigt wurde, tobte an diesem Abend purer Hedonismus: aufgeregte MusicBiz-Nerds, sehr viele sehr hübsche Damen und diverse Promis gluckerten Wodka-Cocktails und Bier, tanzten zu Au Revoir Simones sphärischem DJ-Set und staunten über die Energie, mit der Best Coast und Mona traditionellen amerikanischen Genres wie Surf- und Nashvillerock neues Leben einbliesen.

Und dann, so gegen 22 Uhr, erklang der erste Akkord aus Johnny Marrs elfenbeinfarbener Fender Jaguar, und sehr zur Freude einer Handvoll Hardcore-Smiths-Fans, die am Bühnenrand klebten, war gleich der erste Song ein Klassiker: „Shakespeare’s Sister“. Lange Jahre schien es, als würde Marr seine Vergangenheit verleugnen. Während Bands wie Radiohead und The Libertines ihre Bewunderung aussprachen und immer wieder The-Smiths-Songs coverten, entfernte sich Marr in verschiedenen Projekten von seinen Wurzeln. An diesem Abend aber besann er sich derer: Vier The-Smiths-Songs standen auf dem Programm, und auch wenn manch einer Morrisseys exzentrische Intonation vermissen mochte, so überzeugte Marr sowohl mit seinem Gesang als auch als Frontmann. Mod-cool, in grau kariertem Tweed-Sakko, Jeans und lila Maßhemd, steuerte die Show, als hätte er nie etwas anderes gemacht.



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