Rosalía-Konzerte: Pressefoto-Verbot löst Zensur-Debatte aus
Rosalías Pressefoto-Verbot auf der LUX-Tour sorgt für Zensur-Vorwürfe – Journalismusverbände schalten Barcelonas Stadtrat ein und fordern freie Berichterstattung.
Keine Fotos auf der Rosalía-Tour? Zumindest der Presse ist es verboten, bei ihren LUX-Konzerten zu fotografieren. Die Sängerin hat die Presseakkreditierungen für ihre Shows eingestellt – Fotojournalist:innen erhalten keinen Zugang zu ihren Konzerten. Besonders die Auftritte in Barcelona sorgten für heftige Kritik an dieser Regelung.
Journalismusverbände fordern gleiche Regeln
Mehrere Journalismusverbände – darunter das „Sindicat de Journalistes de Catalunya“, das „Collegi de Periodistes de Catalunya“, das „Sindicat de la Imatge UPIFC“ und die „Grup Barnils“ – haben eine Aufforderung an die Stadtverwaltung von Barcelona eingereicht, das Veto gegen Fotojournalist:innen bei den Rosalía-Konzerten im Palau Sant Jordi zu verhindern.
Die vier Institutionen haben sich gemeinsam positioniert, um auf eine Verletzung des Rechts auf Information, Meinungsfreiheit und Arbeit aufmerksam zu machen. Da die Konzertlocation Palau Sant Jordi im öffentlichen Besitz ist, verstößt das Verbot gegen geltendes Recht. Die Forderung ist klar: gleiche Regeln für alle – Foto- und Schriftrezensionen der Konzerte sollten gleichermaßen erlaubt werden.
Der Fotojournalist Jordi Borràs, der die Klage initiiert hat, erklärte in einem Interview mit „Publico“: „Es ist, als würden sie den Redakteuren keinen Zugang gewähren und die Zeitungen ausschließlich die servierten Stücke veröffentlichen. Es ist ein Akt der Zensur mit allen Gesetzen.“
Kontrolliertes Image statt unabhängige Berichterstattung
Ein weiterer Kritikpunkt am Pressefotoverbot der LUX-Tour ist, dass Journalist:innen als Ausgleich eine vorselektierte Fotoauswahl aus Rosalías Team angeboten wird. Damit kontrolliert die Künstlerin das Image der Tour. Berichte über ihre Auftritte sind so keine neutrale Information mehr, sondern Promotion – mit einem Bild, das die Künstlerin selbst bestimmt.
Fraglich bleibt, warum dem Publikum das Fotografieren dennoch erlaubt ist. Laut Jordi Borràs: „Die mit dem Handy aufgenommenen Fotos werden in sozialen Netzwerken veröffentlicht und haben keine Bedeutung, die über das Bild selbst hinausgeht, das von einem Publikum, das eine Erfahrung machen wird, ‘organisch’ aufgenommen wurde.“ Die Fotos der Journalist:innen hingegen werden auf ausdrücklichen Willen der Künstlerin verboten. Auch vielen Influencer:innen ist es erlaubt, auf Konzerten Content aufzunehmen und die Shows so zu promoten – ob dies die neue Form der Konzertkritik wird, ist mehr als fraglich.
Kein Einzelfall – ein Branchenphänomen
Rosalía ist nicht die Erste, die Pressefotografie bei ihren Auftritten untersagt. Das Konzert in Barcelona hat die Proteste vor allem aufgrund seiner Reichweite ausgelöst. Viele andere Künstler:innen – darunter Madonna – haben dieselben Regelungen auf ihren Konzerten. Der Konzertveranstalter Live Nation hat laut Borràs kategorisch abgelehnt, dass Fotograf:innen ihrer journalistischen Arbeit bei den Rosalía Konzerten nachgehen dürfen.
Zensur mit Folgen für den Journalismus
Mit dieser Regelung betreiben die Musiker:innen nicht nur einen Akt der Zensur – viele Fotograf:innen verlieren zugleich ihr Einkommen und ihren Job. Dabei haben Journalist:innen nicht die Absicht, ein schlechtes Bild der Künstler:innen und ihrer Live-Auftritte zu vermitteln.
Das Thema liegt nun beim Stadtrat in Barcelona. Jordi Borràs hofft, dass die Regelungen angeglichen werden, denn das Ergebnis könnte die Zukunft des Kultur- und Entertainmentjournalismus grundlegend verändern: „Zuerst sind es die Fotojournalisten, aber dann werden es die Redakteure sein, und es wird eine Zeit kommen, in der die Presse nicht in die Konzerte kommen kann.“







