Keine Gnade für Alice Cooper


Die Alice Cooper Show, die am 3. Juni im New Yorker Madison Square Garden zum letzten Mal in Amerika aufgeführt wurde, ist mit mehr als 100 Auftritten innerhalb von 3 Monaten die längste Tournee der amerikanischen Pop-Geschichte geworden. Die Kosten für den ganzen Aufwand, an dem 36 Leute beteiligt sind, belaufen sich auf 1,2 Millionen Dollar. Der Gewinn der Amerika-Tournee, wird auf 4,6 Millionen geschätzt, so dass die Unangenehmlichkeiten von endlosem Hin und Her-Gefliege in Privatflugzeugen, dem Leben in Hotels und Motels sowie der nicht abreissende Strom von Hamburgern und Interviews sich bezahlt machen. Mitte Juni kam die ganze Gesellschaft nach Europa, wo die Tournee in England fortgesetzt wird. Danach sind der Rest von Europa, Australien und Japan an der Reihe. Auch dann soll jeden Abend als Höhepunkt des gruseligen Geschehens der Kopf von Alice unter der Guillotine fallen.

DAS VORSPIEL

Die Show beginnt, das Podium ist in tiefe Finsternis gehüllt. In rasendem Tempo wird ein Strom alter Hits über dem Publikum ausgestrahlt. Als erster Höhepunkt erscheint der Song ‚Unfinished Sweet‘, der von dem aktuellen Problem des Zahnverfalls handelt. Dabei wird Alice von einem riesigen, wahnsinnig brummenden Zahnbohrer verfolgt. Er rafft sich auf, diesem Ding mit einer Tube Zahnpasta und einer Zahnbürste, die genau so gross wie er selbst ist, zu Leibe zu rücken. Danach muss er mit einem unheimlich grossen Backenzahn kämpfen, der ihn vom Podium scheuchen will. Als er und Alice plötzlich von der Bühne verschwunden sind, erscheinen die Roadmanager und werfen nachgemachte Körperteile und Rümpfe ins Publikum. Die ganze Sache wird von dem Lied ‚Die Nacht auf dem Ölberg‘ untermalt, das von einem Tonband über die riesige Anlage abgespielt wird. Als ein Sarg, der die ganze Zeit unbeachtet hinter dem Schlagzeug von Neal Smith gestanden hat, durch entsprechende Beleuchung zum Leben zu kommen scheint, betritt die Gruppe, diesmal in Schwarz, das Podium. Alice trägt eine schwarze Hose und ein schwarzes T-Shirt, das seine Brust offen lässt. Während er mit seiner alten Freundin, der Boa Constrictor spielt, singt er den Song ‚Sick Things‘. Die Show geht weiter mit ‚Dead Babys‘, wobei Alice als der unheimliche Killer auf der Bühne hin und her rennt; recht und links Arme und Beine von Baby-Puppen schwingend. Als Höhepunkt sticht er einer Babypuppe durch den Kopf. Mit einem Schwert, das ihm aus dem Nichts gereicht wird, schlägt er ihn ab und schwenkt ihn triumphierend vor den Augen des entsetzten Publikums.

DIE EXEKUTION

Es liegt auf der Hand, dass Alice für seine Gruseltaten bestraft werden muss. Während ‚I Love the Death‘ durch den Saal klingt, wird Alice von James Randy – dieser Oberstrickser ist extra für die Exekution engagiert worden – zur Guillotine geführt. Randy trägt total echt wirkende Henkerskleidung. Als er mit seiner Arbeit beginnen will, erlöschen die Lampen und das ganze Podium ist so schwarz wie der Tod. Aus der beklemmenden Finsternis sticht nur ein kleiner Lichtkreis, in dem der gebundene Kopf von Alice sichtbar wird. Der wird zwischen die Randy zieht die Stricke fest. In der folgenden Sekunde geht das Licht aus – und wieder an. Das breite, aus massivem Stahl gebaute Fallbeil stürzt herunter, und wo gerade noch der Kopf von Alice lag, ist nun nichts als ein schwarzes Loch sichtbar. ‚Love It To Death‘ wird eingesetzt, als der Henker in den Korb vor der Guillotine greift und triumphierend den Kopf von Alice in die Luft hält- Das Publikum starrt erfüllt von Abscheu auf den Kopf, zu den weit aufgerissenen Augen und dem Blut, das aus dem Mund nach unten fliesst. Um das Spektakel total abzuschliessen, wirft der Henker den Kopf zu den übrigen Bandmitgliedern, die erst diverse Spielchen damit treiben, um ihn dann schliesslich auf greuliche Weise zu zertreten …