Konzertbericht

Rap, Ballett & 17.000 Frauen: K.I.Z feiern den Weltfrauentag in Berlin

Sie haben längst Kultstatus: Es stand mal wieder ein „Nur für Frauen“-Konzert vom Rap-Trio an. Wir waren dabei.

Es ist Sonntag, der 8. März – Feministischer Kampftag, auch Weltfrauentag genannt. Bereits den ganzen Tag über versammeln sich Tausende Menschen auf den Straßen Berlins, um für Gleichberechtigung und die Rechte der Frauen zu kämpfen. Während sich die Demo-Züge noch aus einem Mix aus Männern, Frauen und allem dazwischen und außerhalb zusammensetzen, ist in der Uber Arena in Friedrichshain-Kreuzberg am Abend kein einziger Mann zu sehen.

Mit der Ausnahme von drei Rappern (und einem DJ) in wunderschönen Schwanensee-Kostümen und aufwändigem Make-up: K.I.Z spielen, wie jedes Jahr, ihr außergewöhnliches „Nur für Frauen“-Konzert, das – wie der Name schon sagt – ausschließlich von Frauen besucht werden darf. Nachdem sich die HipHop-Formation in den vergangenen Jahren nach Hamburg oder auch Paris verirrte, sind sie nun zurück in ihrer Heimat und spielen in einer ausverkauften Halle vor 17.000 Frauen.

Ein ehrenloser Abend mit K.I.Z in Berlin

Zu den krachenden Beats von „VIP in der Psychiatrie“ betritt das Trio aus Berlin die Bühne – und ist dabei kaum wiederzuerkennen. Nico, Tarek und Maxim tragen allesamt weiße Tutus in Anlehnung an das Ballett „Schwanensee“. Dazu kommen aufwändiges Make-up und sorgfältig drapierte Perücken.

Auch das Bühnenbild bleibt dem Motto treu: In der Mitte der Stage prangt ein großer Mond, umgeben von einem klassischen „Schwanensee“-Set. Mit dem Track „Ehrenlos“ setzen die Rapper direkt den Ton für den restlichen Abend. Die gesamte Crowd ist sofort auf Betriebstemperatur und schreit die Texte der Band voller Inbrunst in die Venue.

„Es ist vor allem auch schön, mal nicht vor Männern zu spielen“, merkt Maxim an – worauf die Schreie aus der Menge noch einmal lauter werden. Die Atmosphäre ist einzigartig – selbstredend, wenn nur Frauen anwesend sind.

Frauen regieren die Uber Arena

Mit „Böhse Mädchen“ spielen K.I.Z einen alten Klassiker der Platte HAHNENKAMPF, bevor Maxim plötzlich von seinen Kollegen allein auf der Bühne zurückgelassen wird und eine Ode an das Bier zum Besten gibt. „Dafür, dass auch Frauen berechtigt sind, ein kühles Bierchen zu trinken“ und „Bier trinken kennt kein Geschlecht“ predigt der Rapper, bevor er auf Wunsch der Fans eine Dose ext und den Song „Bier“ ins Mikro schreit.

Wenig später kommt Tarek zurück auf die Bühne und bittet alle 17.000 Fans, in die Hocke zu gehen. Mit dem Beatdrop des aggressiven Tracks „Filmriss“ fliegen ausnahmslos alle Arme in die Luft, und eine Ekstase bricht aus, wie sie wohl nur K.I.Z verursachen können. Wie immer liefern die drei Berliner Jungs eine unvergessliche Show, die mir schon nach einer Stunde alle Kräfte abverlangt.

Eine kurze Verschnaufpause bietet eine Abfolge von Songs aus GÖRLITZER PARK. Während die Gruppe „Sensibel“ und „Görlitzer Park“ performt, sammelt sich direkt hinter mir eine riesige Schlange an Fans, die sich ihr nächstes Bier holen. So viel flüssiges Gold, wie hier über den Tresen geht, hat die Halle sicherlich auch eher selten verkauft.

Wer sich allerdings zu viel Zeit lässt, verpasst wenig später den glorreichen Auftritt der Männer in einem großen Schwan-Konstrukt, das die Rapper durch die Menge trägt, während sie den Mega-Hit „Hurra die Welt geht unter“ spielen. Was darauf folgt, ist eine perfekt kuratierte Setlist mit Tracks wie „Geld wie ein Magnet“, „Tsetsefliegemann (Skit)“ und einem Remix aus „Spasst“ und Britney Spears’ „Toxic“.

K.I.Z-Konzert statt Schlangestehen vorm Club

Im nächsten Moment verwandelt sich das K.I.Z-Konzert in der Uber Arena in eine riesige Tanzparty. Die Gruppe lässt ihren DJ allein auf der Stage zurück. Der spielt ein Set, das man so vielleicht eher in einem der Clubs auf dem benachbarten RAW-Gelände erwarten würde.

„Hollaback Girl“ von Gwen Stefani, „WHERE IS MY HUSBAND!“ von RAYE, „Since U Been Gone“ von Kelly Clarkson und etliche weitere Partykracher machen die Performance des Drunken-Masters-DJs zu einem der vielen Highlights des Konzerts am Weltfrauentag. Selten habe ich Frauen während eines Gigs so unbeschwert und euphorisiert erlebt wie an diesem Abend.

Wenn aggressiver Rap auf Ballett trifft

Nach dem Song „Familienfeier“ schließt sich für kurze Zeit der Vorhang auf der Stage, bevor die Melodie des Klassikers „Neuruppin“ einsetzt und K.I.Z wieder die Bühne betreten.

Allerdings nicht allein: Mit ihnen erscheinen zahlreiche Balletttänzerinnen, die die letzten Songs mit artistischen Tänzen untermalen und so zwei Welten aufeinanderprallen lassen. Während Nico, Maxim und Tarek „Ich ficke euch (alle)“ auf den Beat von „Run the World (Girls)“ von Beyoncé rappen, schweben die Tänzerinnen anmutig hinter ihnen.

Den krönenden Abschluss bietet – wie bei eigentlich jedem Gig der Gruppe – der Klassiker „Ein Affe und ein Pferd“ mit anschließender Erweiterung in einer Elektro-Version. Sie sorgt an diesem Abend ein letztes Mal dafür, dass 17.000 Frauen die Uber Arena in Berlin komplett abreißen.

Mit einer gemeinsamen Verbeugung nach Vorbild einer Theater- oder Ballettaufführung verabschieden K.I.Z und die Tänzerinnen die Fans in die Berliner Nacht, die nach diesem Konzerterlebnis wohl kaum noch besser werden kann. Und wieder einmal wird klar, warum die „Nur für Frauen“-Shows längst Kultstatus erreicht haben.