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Kritik an Whitewashing wirkt: „Ghost in the Shell“ enttäuscht beim Kinostart

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Circa 155.000 Zuschauer haben sich von Donnerstag bis Sonntag „Ghost in the Shell“ in den deutschen Kinos angeschaut. Die Nummer klingt hoch, ein intensiv beworbener Actionfilm mit Scarlett Johansson, der dazu noch auf einer bekannten Vorlage basiert, hätte aber eigentlich noch mehr Zuschauer anziehen können. „Ghost in the Shell“ steht „nur“ auf Platz Drei der Charts. Die Rangliste führt „Die Schöne und das Biest“ an, der allerdings schon seit einigen Wochen im Kino läuft. Danach folgt „Boss Baby“, ein Animationsfilm mit eher bescheidenen Rezensionen und eher geringer Aufmerksamkeit vor dem Kinostart. Für Johanssons Film wäre also mehr drin gewesen, der deutsche Markt ist allerdings nicht das größte Problem.

In den USA, dem wichtigsten Markt für die Produktion, die mehr als 100 Millionen Dollar verschlungen hat, ist das Ergebnis deutlich schlechter. Das „Boss Baby“ ist dort auf Platz Eins eingestiegen und hat am wichtigen ersten Wochenende für einen Neustart fast 50 Millionen Dollar eingespielt. Auf dem zweiten Platz steht dort „Die Schöne und das Biest“ und dahinter eben „Ghost in the Shell“, der nur 19 Millionen Dollar einnehmen konnte – für die Produzenten eine herbe Enttäuschung.

Vor am US-Markt setzt der Film mit Johansson einen Trend fort:  Große Produktionen, die im Vorfeld für Whitewashing kritisiert wurden, können die Erwartungen an den Kassen nicht mehr erfüllen. Das Thema wurde vor allem nach der letztjährigen Oscar-Verleihung präsent. Nachdem keine schwarzen Künstler nominiert waren, war „Gods of Egypt“ der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Flops. Im Film spielen Schotten und Dänen Ägypter, mehr Whitewashing geht nicht. Der Begriff beschreibt den latenten Rassismus, der bei der Besetzung von nicht-weißen Ethnien mit weißen Darstellern im Raum steht.

Bei „Ghost in the Shell“ wurde kritisiert, dass Scarlett Johansson eine eigentlich japanische Figur spielt. Der Film konstruiert zwar einen nicht ungeschickten Plot um diesen Umstand herum, ersetzt die Zivilbevölkerung im futuristischen Tokio aber dennoch durch Menschen, die eher selten japanisch aussehen. Die Welle der Entrüstung vor dem Kinostart hat sich nun genauso – neben anderen Faktoren – auf den Andrang im Kino niedergeschlagen wie zuletzt bei „The Great Wall“. In dem Action-Film mit Matt Damon kommt dieser als weißer Krieger nach China um dort vermeintlich die Welt zu retten – ohne auch nur eine Szene gezeigt zu haben, wurde der Film dafür in den sozialen Netzwerken angegriffen. Am Ende standen mehr als 60 Millionen Dollar Verlust und leere Kinos zu buche.

Szene aus der Realverfilmung „Ghost in the Shell“.

In nur einem Jahr wurden mehrere Großproduktionen zu Misserfolgen, nachdem sie ins Kreuzfeuer einer Whitewashing-Debatte geraten waren, die die Macher eigentlich selbst hätten vorhersehen können. Zu hoffen bleibt, dass in der Zukunft die richtigen Konsequenzen gezogen werden und mehr Diversität in der Besetzung von Hauptrollen einzieht.

Ausgenommen von großen Ausfällen war nur Marvels „Doctor Strange“. Dort spielte Tilda Swinton eine eigentlich ursprünglich asiatische Figur, wofür die Produzenten auch hart angegangen wurden. Der Fall zeigte aber auch, wie unantastbar das Marvel-Studios derzeit ist. Die Fans störten sich nicht am Whitewashing – wohl aber auch, weil die Filme sowieso unpolitisch sind.


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