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Last Shadow Puppets live in Kopenhagen

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Als sich an einem Donnerstagabend in Kopenhagen am Vega House of Music – gleich hinterm Rotlichtviertel der Stadt – die ersten Fans der The Last Shadow Puppets sammeln, könnte man meinen, man wäre beim Konzert einer Boygroup gelandet – das Durchschnittsalter liegt bei circa 16 Jahren. Gott sei Dank kommen kurz vor Toröffnung noch etwas ältere junge Menschen hinzu, die allerdings etwas überrascht werden von dem Gedrängel beim Betreten der gemütlichen Halle. Kurz vor Konzertbeginn liegt dann das Durchschnittsalter schließlich eher bei angenehmen 25 Jahren.Eingeheizt werden soll einem von Ipso Facto, vier Britinnen im (mehr oder weniger) Einheitslook, deren Musik sich eher dazu eignet, mit Freunden zu chillen und über das Leben nach- zusinnen. Das Publikum lässt sich nicht besonders davon mitreißen, spendet jedoch zum Abschluss höflich über- schwänglichen Applaus.Als schließlich nach einer weiteren halben Stunde die ersten Violinisten die Bühne betreten, welche als großes Theater geschmückt ist, steigt der Glückshormonspiegel wieder an. Es ist Zeit für Genießer.Die Songs klingen live rasanter und mitreißender als auf der Platte, was auch der Grund dafür ist, dass die jungen Hüpfer in den ersten Reihen zu Songs wie „The Meeting Place“ ziemlich mitspringen. „Separate And Ever Deadly“ wird noch aggressiver, „Black Plant“ noch tanzbarer. B-Seiten und Cover werden zu Höhepunkten der Show. „Gas Dance“, eine B-Seite und trotzdem „fucking genius“ wie Turner meint, verwandelt sich in ein gesungenes Epos. „Hang The Cyst“ schließt mit einem raffinierten, lauten Gitarrenpart.Die Performance wird aufgelockert von „In the Heat of the Morning“ (im Original David Bowie), das zuckersüß und federleicht vorgetragen wird. Turner scheint zu diesem Zeitpunkt etwas angeheitert und versucht eine Art 70s-Move, der auf jeden Fall zum Song passt… ob freiwillig oder unfreiwillig, bleibt offen. Unumstritten ist dabei aber das Liebenswerte am sympathischen, obwohl schwierig zu verstehenden Geplapper der beiden Sänger auf der Bühne. Das zweite Cover, „Memories“ von Leonhard Cohen, sorgt für noch mehr gute Stimmung und ein paar Lachern auf Seiten des Publikums, das seines Alters wegen den Song zum Teil noch nicht kennt. Miles Kanes Stimme verschmilzt überraschend harmonisch mit dieser Art Musik. Die Zugabe wird vom (fast schon) Klassiker „Standing Next To Me“ abge- schlossen. Jedoch verschwinden die Schattenpuppen nicht von der Bühne, ohne dass Turner noch ein Lächeln mit (s?)einer Freundin in der Loge ausgetauscht hätte.Leider ist dieses geniale Konzert nach alter Arctic Monkeys– Manier schon nach einer guten Stunde vorbei. So verlässt man kurz nach 10 die Halle gemeinsam mit dem kleinen Orchester Richtung Innenstadt, Puppensongs vor sich hinsummend.

Madleen – 22.10.2008


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