Lauryn Hill, Eric Clapton und Everlast unterstützen Carlos Santana auf seinem neuen Album Supernatural


Wie wichtig ist „Supernatural“ im Gesamtkontext Ihrer 30jährigen Karriere?

„Supernatural‘ ist eine absolut wichtige Zäsur, ein großer Schritt in die Zukunft. All die Leute, die auf dieser Platte mitgewirkt haben, sind meine Freunde. Manche, wie Eric Clapton oder die Dust Brothers, kenne ich schon ziemlich lange. Andere, wie Lauryn Hill oder Dave Matthews, erst seit kurzem. Doch das spielt keine Rolle.Tatsache ist, daß ich all diese Menschen liebe. Wir lernten voneinander, wir tauschten uns aus. Der Austausch ist es, der Musik für mich von jeher interessant macht.

Sie haben sich immer schon als Lernenden betrachtet.

Richtig. Selbst im Umgang mit meinem Instrument sehe ich mich als ewigen Schüler. Die Gitarre ist meine Zunge. Sie läßt mich Gefühle, die ganz tief in mir drin stecken, der Welt vermitteln. Töne und Noten sind für mich viel geeigneter, mich verständlich zu machen, als jede Sprache. Musik ist für mich die universale und damit göttliche Sprache.

Apropos Gott. In den 70er und 80er Jahren gab es kaum einen Guru, dem Sie nicht folgten.

Gott sei Dank habe ich diese Phase hinter mir. Vor einigen Jahren habe ich endlich meine eigene göttliche Stimme gefunden, meinen ganz eigenen Gott. Ich brauche keinen Lehrer mehr, und ich will auch niemanden zu irgendwas bekehren. Mein Gott ist mein Gewissen. Ihm muß ich folgen. Auch meine Familie ist eine Art Heiligtum für mich. Ich bin ein begeisterter Vater. Ich würde alles tun, um meine Ehefrau und meine drei Kinder glücklich zu machen. Meine Frau Deborah, mit der ich seit 1973 verheiratet bin, ist auch so etwas wie eine Göttin für mich. Was für ein Wunder es doch ist, wenn einem ein geliebter Mensch drei gesunde Kinder schenkt.

Das klingt aber arg nach alten Hippie-Idealen. Love, peace…

Ich habe kein Problem, wenn man mich als Hippie bezeichnet. Ich bin einer der letzten Regenbogenkrieger. Wir waren die ersten in Amerika, die gegen die Gesellschaft rebelliert haben, die auf Individualität setzten, die sich nicht mit oberflächlichem Materialismus abspeisen ließen. Deshalb werde ich auch nie ein echter Amerikaner sein, obwohl ich seit 35 Jahren in diesem Land lebe. Ich bin Kosmopolit. Ich renne keiner Fahne hinterher.

Was bedeutet es für Sie, daß Sie in die Rock’n’Roll Hall Of Fame aufgenommen wurden?

Als ich an jenem Tag die Treppen zum Podium hinaufstieg, kam es mir vor, als könnte ich mich dabei von außen beobachten. Ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut, denn dadurch wird meine Arbeit bestätigt. Gleichzeitig möchte ich sie nicht zu wichtig nehmen, da ich sonst Gefahr laufe, meine Aufrichtigkeit zu verlieren. Und die ist mir das Wichtigste im Leben.