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Left Hand Island über ihre Debüt-EP „Pluto“: „Keine Erwartungen, keine Deals, keine leeren Versprechen“

Der Zusammenhalt unter jungen Musikern in Köln ist enorm. Das bestätigte uns nicht zuletzt bereits 2016 die Gruppe Golf, als wir sie einen Tag beim Reeperbahn Festival begleiteten. Diese genre- und Label-übergreifende Szene um Acts wie Roosevelt, Coma, Woman und Golf hilft und beeinflusst sich gegenseitig, wo sie kann.

Nun haben zwei ihrer Protagonisten, Georg Raquet vom Kompakt-Duo Coma und Wolfgang Paris von den Dada-Disco-Boys Golf, ihre Sympathie füreinander unter dem Namen Left Hand Island sogar in eine gemeinsame EP, „Pluto“ fließen lassen. Dass diese Freundschaft überhaupt entstehen und so fruchtbar werden konnte, liegt zu einem großen Teil an Fußball.

„Georg und ich lernten uns auf dem Fußballplatz kennen und merkten schnell, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben: Angefangen bei der Brille, über Lieblingsvereine in der zweiten Liga (Karlsruher SC und FC Kaiserslautern) bis hin zu der Passion für schöne Akkorde. Nach gemeinsamen Mittagessen landeten wir dann im Tonstudio“, erklärt Wolfgang, danach sei alles sehr schnell gegangen.

Dass die „Pluto“-EP in erster Linie ein Experiment für die beiden Musiker ist, hört man den Songs jedoch nicht an. Die beiden musikalischen Welten von Coma und Golf fließen mit minimaler Instrumentierung ineinander, die geradlinige Produktion mit Hang zur Stimmmodulation rundet das Endergebnis, das an den eklektischen Elektro-Pop Caribous ebenso wie an die Slim-Disco von Whitest Boy Alive erinnert.

Ihre EP vertreiben Left Hand Island über Bandcamp

Für Wolfgang waren jedoch insbesondere die Franzosen von Air ein großer Einfluss auf die Arbeit als Left Hand Island: „Das butterweiche Fender Rhodes ist bei uns ähnlich zentral im Soundbild.“ Überhaupt sei das gemeinsame Musikhören wichtig gewesen für den Entstehungsprozess, Beck und Talking Heads hätten so unfreiwillig ihre Spuren in den Songs hinterlassen.

Die „Pluto“-EP vertreiben Left Hand Island in Eigenregie über Bandcamp. Das hat jedoch weniger mit Idealismus oder dem Streben nach Demokratisierung der Musik zu tun, sondern sei vielmehr eine rationale Entscheidung gewesen, wie Wolfgang festhält: „Wir wollen mit Left Hand Island keine Kompromisse eingehen. Keine Erwartungen, keine Deals und keine leeren Versprechen an die Zukunft.“ Dennoch habe man mal bei Georgs Labelchefs von Kompakt auf Gut Glück ein Demo hinterlassen, aber „die wollten nicht“, wie Wolfgang schmunzelnd zugibt.



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