Lou Reed

Transformer (1972)

Velvet Underground war I längst zur Ikone der Pop-Ikultur erstarrt als Lou Reed 1970 die Band verließ. Auf „Transformer“, seinem zweiten Soloalbum nach dem Spht der Untergrund-Urväter, arbeitete er mit Musikern aus dem Umfeld David Bowies (David Bowie selbst. Mick Ronson, Klaus Voormann und andere) zusammen. An „Transformer“ schieden sich die Geister seiner Fans: stilistische Vielseitigkeit oder Beliebigkeit? Aus Velvet Undergrounds Zeiten blieb jedenfalls Reeds grimmige Vorliebe, mit exaltierten Texten Licht ins Abseits menschlichen Erlebens zu bringen, die Lust am Schmerz und die Qual der Lust sinnlich erfahrbar zu machen. Die Songs jedoch lösten nur zum Teil die hohen Erwartungen ein: „Perfect Day“ klingt mit seinen aufdringlichen Geigen noch heute eher kitschig, „Goodnight Ladies“ schwimmt auf einerfalsch verstandenen Nostalgiewelle, während „New York Telephone Conversation“ und „Make Up“ unter nicht gerade inspirierten Melodien und Arrangements leiden. Was „Transformer“ dennoch zum herausragenden Album macht, sind die restlichen Songs: Nicht nur, daß sich mit „Walk On The Wild Side“ einer der schönsten Songs der Rockgeschichte auf dem Album befindet, auch „Vicious“. „Wagon Wheel“ oder „Satellite Of Love“ überzeugen mit ihrem morbiden Charme, sind wahre Meisterwerke in Moll. „Transformer“ ist eine schillernde Perle mit einigen häßlichen Flecken, eine Platte, die aber als dekadentes Zeitdokument bis heute Gültigkeit besitzt: Zeigt sie doch einen Musiker auf der Suche nach neuen Erfahrungshorizonten und Ausdrucksmöglichkeiten, einen Egomanen, der seinen eigenen Weg noch nicht endgültig gefunden hat. Und sie zeigt einen Menschen unmittelbar vor den Abgründen von Spritzen und Suff, in die Reed mit dem Nachfolge-Werk „Berlin“ um ein Haar hineingefallen wäre.

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