Lucy Rose


Pop Around The Bunker: Ihr Debüt hat die britische Singer/Songwriterin im Luftschutzbunker ihrer Eltern aufgenommen.

Wie ironisch das Leben sein kann: Für die Aufnahmen ihrer ersten Platte ist Lucy Rose ins englische Warwickshire zurückgekehrt, jene Gegend, die sie als 18-Jährige verlassen hat, um Musikerin zu werden. Bis dahin hatte Rose lange Zeit im Schulorchester Schlagzeug gespielt und Phil Collins gehört. „Erst als ich nach London gezogen bin, habe ich mitbekommen, dass es für mich prägende Künstler wie Joni Mitchell und Neil Young überhaupt gibt“, sagt Rose.

In London traut sich Rose erstmals auch mit eigenen Songs auf die Bühne. Bei einem Konzert lernt sie Bombay-Bicycle-Club-Sänger Jack Steadman kennen, der sie bittet, Background-Gesang zu zwei Songs seiner Band aufzunehmen. Bald ist Rose das inoffizielle fünfte Mitglied der Gruppe. Doch da sind immer noch ihre eigenen Songs, die sie veröffentlichen möchte. Mit Bassist Joe Steer von Broadcast 2000 und Björn Sten Ågren, Ex-Gitarrist von Razorlight, gründet Lucy eine Band, um ihr Debüt Like I Used To einzuspielen – aus Kostengründen nicht in London, sondern im elterlichen Zuhause in Warwickshire. „Meine Eltern haben einen Luftschutzbunker in ihrem Garten. Den hat so ein paranoider Typ gebaut, der vor uns dort gewohnt hat“, sagt Rose. „Wir haben einige Gitarrenparts und Backing Vocals dort aufgenommen. Dabei ist dieser coole, atmosphärische Sound entstanden.“

Like I Used To ist ein verträgliches Singer/Songwriter-Popalbum geworden, sanft und radiotauglich. Um den Songs dennoch ein paar Kanten zu verleihen, hat sich Rose an einem ihrer Helden orientiert. „Neil Young war beim Aufnehmen meine Leitfigur“, sagt sie. „Seine Songs klingen immer nach Lo-Fi, fast wie Demos. Das hat mir gefallen. Ich habe schon mit so vielen Produzenten zusammengearbeitet, die mir diesen glatten Sound verpassen wollten.“

Mittlerweile spielt die 23-jährige Sängerin ausverkaufte Konzerte in ihrer Heimat und in den Vereinigten Staaten. Trotzdem denkt sie manchmal darüber nach, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie es nicht in den Dienst der Musik gestellt hätte. „Ich wollte mal Geografie studieren“, erinnert sie sich. „Neulich bin ich an der Universität vorbeigelaufen und wurde ein bisschen sentimental. Geografie hat mir immer viel Spaß gemacht – aber eben nicht so viel Spaß wie die Musik.“ Ein Verlust für Geografen, ein Glücksfall für den Rest der Welt.