Marc Cohn


Dies ist ein Song über Liebe und Verlust. Also ein typischer Cohn-Song“, zwinkerte der Newcomer seinem Publikum gleich zu Airfang ironisch zu. Nein. Humorlosigkeit kann man dem zurückhaltenden Mann am Klavier nicht attestieren, auch wenn er mit seinem wohlgestutzten Bart wie der Sozialkundelehrer von nebenan aussieht.

An einem Ort. wo gewöhnlich Kammermusik zelebriert wird, war denn auch der untypische Charts-Stürmer nicht schlecht aufgehoben. Seine meist leisen, bluesdurchtränkten Songs fegten den Schleiflack-Charme der „Kleinen Musikhalle“ mühelos hinweg. Und auch das Wagnis, nur einen einzigen Gastmusiker aufzubieten, erwies sich als Gewinn: Der Gitarrist/Bassist Jeff Pevar konnte schwebende Klänge wie Terje Rypdal ebenso aus dem Ärmel schütteln wie auch Slide-Highlights a la Ry Cooder.

Doch bei aller Finesse seines Sidekicks überzeugte Cohn solo am meisten. Gleich als drittes Stück „verschoß“ er seinen Hit „Walking In Memphis“. Viel von dem melancholischen Pathos seiner Songs nimmt er im Konzert durch sanft frotzelnde Kommentare ihre Spitze, nie driftet er auch bei noch so inbrünstigem Joe-Cokker-Ton ins Sentimentale ab. Selbst ein Lied für seinen Vater („Silver ThundeTbird“), das alle Vorzeichen eines tränenfeuchten Schmachtfetzens hätte, wurde schlicht, klar, ehrlich.

Sein Auditorium hatte er zu dieser Zeit längst hinter sich. Drei Zugaben reichten nicht. Bei angeknipstem Saallicht gab’s als Extra erneut „Walking In Memphis“, komplett vom enthusiastischen Publikum gesungen, mit Cohn als gerührtem Piano-Begleiter.