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Melt! 2012: Hasen, Batik und Binden

Der Samstag: Zur 79-prozentigen Regenwahrscheinlichkeit gibt’s afrikanischen Dubstep, Neon-Schminke, Batikshirts und Modeselektor.

Auch heute prognostiziert der mobile Wetterdienst bis 21 Uhr eine Regenwahrscheinlichkeit von bis zu 79 Prozent.  Aber nach einem ernsthafteren und vielen leichten Wolkenbrüchen am Vormittag bleibt es ab 16 Uhr trocken. Trotzdem tragen die meisten zur Verkleidung Gummistiefel. Neben Glitzergel, Knicklicht-Armbändern und –Brillen liegen Neonschminke und Indianerfedern schwer im Trend. Mädchen mit Feenflügeln, Neon-Indianer und Männer in obligatorischen Ganzkörper-Tierkostümen aus Plastikfell feiern vor der Hauptbühne mit den soliden Blood Red Shoes.

Casper spielt seine Show bei bestem Wetter, will Hände sehen und lässt das Publikum hüpfen, hüpfen und wieder hüpfen. Casper und seine Band tragen T-Shirts, die sie vormittags auf dem Gelände gebatikt haben. Auch Duettpartner Thees Uhlmann hat eins. Casper hat zwar Spaß an Batikarbeiten oder gemeinsamen Springübungen, Knicklicht-Armbändern kann er jedoch nichts abgewinnen Das tut er mit seiner aufregend rauen Stimme kund, auch dass er die vielen Wasserbälle, die sich das Publikum gegenseitig zuwirft, albern findet. Kurz ist das enthusiastische Publikum irritiert. Ob man die Armbänder klammheimlich abmachen soll? Aber dann will Casper doch wieder alle Arme sehen und der Zwischenfall ist vergessen. In den Händen, die sich Casper entgegenstrecken befinden sich mehr aufblasbare Plastik-Flamingos, selbstgebastelte Giraffen und Zauberstäbe als das sonst so gewohnte Meer von Smartphones. Das ist doch schon mal was.  Und dann grölen die Neon-Indianer während  „Die letzte Gang der Stadt“ befreit gegen den Kommerz: „Zu viele scheiß Bands, zu viel Hype“.

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Zum Auftritt von Gossip kann man zur Hauptbühne zurückkehren. Wie erwartet gibt es auch hier keine Überraschungen. Von dem Mann, der in einem Kostüm steckt, das ihn wie eine blutige Damenbinde aussehen lässt, einmal abgesehen. Den Herren holt Beth Ditto auf die Bühne. Gossips Auftritt beschließt eine Umarmung mit der Damenbinde und die acapella-Version von „I will always love you“ .

Unterdessen gibt es bei den portugiesischen Afrikanern von Buraka Som Sistema im Gemini-Zelt kleinere Probleme. Das Publikum ist gierig auf den mit Dancehall, Dubstep und Rap gespickten Afrotechno. Aber die antreibend gedachten Ansagen der Portugiesen machen Probleme. Die Frage „do you wanna stay up all night?“ versteht so mancher erst beim dritten Mal, die meisten gar nicht. Egal, getanzt und geschwitzt wird trotzdem.

Um kurz nach eins übernehmen Modeselektor das Festival. Während sich die Jutebeutelbehängten Hipster noch bei Thees Uhlmann im Zelt wiegen, tanzt der Melt-Kessel zwischen den bestrahlten Kränen zu selektiertem Old-school, New-school und Monkeytown. Abgelenkt von der zuckenden LED-Bespielung und dem Tanzen wird man erst während des chill-out-Sets darauf aufmerksam, welche Attraktion die Natur vorbereitet hat. Oben links hinter der pulsierenden Bühne hängt eine perfekte Mondsichel inklusive Stern im fast wolkenlosen Nachthimmel. Der Mond treibt die ersten Indianer bereits zurück auf den Campingplatz. Diejenigen die ausharren, belohnt Squarepusher. Der Mann mit dem leuchtenden Helm, zersägt seine Beats mit abrupten Pausen,  es schrillt, kreischt und piept, dazu serviert Squarepusher minimalistische schwarz-weiß Visuals, selbstredend quadratisch. Für die Fraktion auf dem Sleepless-Floor gibt es noch eine letzte Club-Mate. Wer nach Hause muss, bestellt für den Heimweg eine frittierte Calzone bei Pizza Mario. Der überteuerte und mit Käse und Schinken gefüllte Krapfen trieft vor Fett und rettet den Magen in den letzten Festivaltag.

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