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Melt! 2012: Schmollmünder und Psychedelia

Der Sonntag: Es bleibt trocken und Lana Del Rey trifft jeden Ton

Den Meteorologen zum Trotz beginnt der Sonntag ohne nennenswerte Regengüsse.  Nachmittags um vier die Fläche rund um die Gemini-Bühne zu füllen, funktioniert nur, wenn Lana Del Rey angekündigt ist. Unter Applaus betritt die Beauty-Queen die Bühne. Ob sie den Auftritt durchstehen wird? Ja, wird sie. Sie steht in einem luftigen blauen Kleidchen am Mikrofon, blickt scheu zu Boden, macht den obligatorischen Schmollmund und trifft jeden Ton. Jetzt endlich sind sie da, die Smartphone-Filmer.  Auf Youtube wird anfangs die Bühne ohne Lana zu sehen sein. Geigerinnen, ein Mann am schwarzen Flügel und ein Gitarrist musizieren, während sich die Fee für zwei Songs in den Bandgraben verzieht.  Applaudiert wird, sobald Del Rey die Bühne verlässt, betritt oder ins Publikum lächelt. Del Rey singt sich unaufregend fehlerfrei durch das Set. Außerdem greift sie sich ins füllig glänzende Werbehaar und schiebt die Träger ihres Kleidchens zurecht, die ihr immer wieder von den Schultern rutschen. Zwischen den aus Zeigefinder und Daumen geformten Herzen, die über die Köpfe wabern steckt ein Pappschild mit der Aufschrift „Lada del Rey“.

The Whitest Boy Alive, Erlend Oye und Kollegen, sind immer noch schlaksig und wahnsinnig nett. Politisch korrekt düdeln sie vor sich hin, während die barfüßige Zola Jesus in einem weißem Zotteljäckchen weder brachial noch Industrial klingt. Die Zuschauer kümmert das nicht, sie starren an die Decke und wiegen sich zum seltsamen Takt.

Unterdessen feiert auf der Gemini-Bühne Gesaffelstein die Party, nach der alle suchen. Überraschenderweise funktioniert seine DJ-Show auch ohne aufwändige Bühnenzier.

Vor der Hauptbühne wartet alles auf Justice. Der Platz um die Kräne ist voll und Justice tuen, was von einem Rockstar-DJ-Duo verlangt wird. Geben Elektro, Rock, Pop, leuchtende Würfel und viel helles Licht inklusive einer Instrumentaleinlage auf dem Keyboard, das unter dem ausfahrbaren DJ-Pult lagert.

Yeasayer sind der perfekte Gegenpart zu Justice. Wer noch ein wenig nach musikalischer Wärme sucht, ist richtig beim 80er-Jahre Psychedelik-Sunshine-Sound, den man nicht etwa der amerikanischen Westküste, sondern dem eher unterkühlten New York verdankt. Die Yeasayers sind nicht der perfekte Rausschmeißer, weil man sie nicht aufhören lassen will. Immerhin passen sie perfekt zum Häuptlingsschmuck der letzten Neon-Indianer.

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