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Michael Stipe über R.E.M.s Klassiker „Automatic For The People“: „Die Stimme einer Generation wollte ich nie sein“

Hoher Besuch in den ehemaligen Räumen unserer Online-Redaktion: Im neu eröffneten The Venue Berlin waren am Dienstagabend Michael Stipe und Mike Mills zu Gast. Der Sänger sowie der Bassist der vor mittlerweile sechs Jahren aufgelösten Weltklasseband R.E.M. sprachen im „Rolling Stone Talk“ mit Rolling-Stone-Redakteurin Birgit Fuß über ihren Albumklassiker AUTOMATIC FOR THE PEOPLE, der am Freitag als Jubiläumsversion zum 25. Geburtstag neu erscheint. Die Platte kam 1992 nur anderthalb Jahre nach OUT OF TIME und dessen Hit „Losing My Religion“ heraus und änderte vieles für die Band aus Athens, Georgia: „Plötzlich war ich ein Celebrity und konnte nicht mehr unerkannt über die Straße laufen. Und plötzlich interessierten sich sehr viele Leute dafür, was ich zu sagen hatte“, erinnert sich Michael Stipe an diesen Durchbruch, vor dem sie bereits sieben weitere Alben herausbrachten.

Im Gespräch mit Fuß, die die Band über die Jahre hinweg mehrfach interviewt hat, zeigten sich Stipe und Mills anfangs zwar gejetlaggt, danach aber ausgelassen, bedacht und in Redelaune. So erfuhren die rund 200 Zuschauer sowie die User an den heimischen Computern – der Talk wurde im Livestream weltweit übertragen – unter anderem, dass das Coverfoto von AUTOMATIC FOR THE PEOPLE das Kreuz eines Hoteldachs in Miami zeigt und es noch etliche nie gezeigte Bilder mit den Bandmitgliedern davor gebe. Stipe scherzte, dass Photoshop Anfang der Neunziger das neue heiße Ding gewesen sei und wenn R.E.M. geahnt hätten, wie erfolgreich ihr achtes Album werden würde („Ein Album voller Balladen über den Tod!“), hätten sie keine Nachbearbeitung gewählt, von der man fürchten müsste, dass sie drei Monate später schon wieder veraltet aussehen würde.

AUTOMATIC FOR THE PEOPLE war mit „Drive“, „Everybody Hurts“ und „Nightswimming“ nicht arm an Hits – auf die Frage, warum es der damals entstandene Song „Photograph“ nicht aufs Album schaffte, erklären Stipe und Mills ihr Luxusproblem: „Er war zu sehr ein R.E.M.-Song!“ Stipe sprach von der Schwierigkeit, gute Poptexte zu schreiben und schwärmte von Sinead O’Connor und Michael Hutchence von INXS, die beide großartig darin (gewesen) seien. Sein Lieblingssong von AUTOMATIC FOR THE PEOPLE und von R.E.M. überhaupt ist mit „Man On The Moon“ einer, der, wäre es nach ihm gegangen, fast ein Instrumental geblieben wäre: „Warum sollte man Andy Kaufman imitieren, wie der Elvis imitiert – in einem Popsong? Es gibt keinen Grund dafür!“

Kooperation

An mindestens einer Stelle wurde Stipe, der seine Mutter mit nach Berlin brachte, auch persönlich: „Die ‘Stimme einer Generation‘? Nein, das wollte ich nie sein“, berichtete er, im Gegenteil: Es habe vor ihrem Durchbruch eine Zeit gegeben, in der unsicher war, ob und wie es überhaupt weitergehen würde und ob er sich mit HIV infiziert habe. „Ich hatte es gerade geschafft 30 zu werden. In den Jahren davor, in meinen Zwanzigern, war ich mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt 30 werden würde.“

Die allzu naheliegende Frage nach einer Reunion deutete Birgit Fuß an, als Mike Mills über ein vielleicht in den nächsten ein bis zwei Jahren erscheinendes Soloalbum sprach. Stipe bot seine Hilfe bei Background Vocals an, Fuß schob hinterher, dass R.E.M.-Gitarrist Peter Buck ja bekanntlich auch gerne auf Alben und Bühnen von Freunden aushelfe – und erntete von Stipe dafür ein lakonisches „Sneaky, Birgit!“. Stipe selbst arbeitet als Produzent derweil noch immer an einem neuen Album von Fischerspooner, das nun endlich Form annimmt.

Den gesamten, sehr kurzweiligen Talk könnt Ihr hier im Stream nachsehen:

 


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