Monsters of Freestyle-Blödsinn!


Die Ärzte haben einen neuen Theme-Song: „Monsterparty“, ein alter Vollmilch-Punk/Hillbilly-Hauer, ausgegraben für die 2002-Unplugged-Session, ist wie geschaffen als Ouvertüre für die Eternal Kindsköpfe, die sie live raushängen, auch beim Samstags-Headliner-Gig in Weeze, dem ersten Auftritt seit der „Nudo Tra I Cannibali“-Geheimtour im Frühling. Ohne große Produktion, nur mit den obligatorischen (darf man das mal bemerken nach all den Jahren: irgendwie doofen) Gwendolines, aufgeblasen an den Bühnenseiten laufen sie ein. Bela, ja immer für die Madonna-esque Outfit-Eskapade zuständig, steckt in einer Cowboy-Kluft mit riesigem Stetson, der ihm beim Hochleistungs-Stehtrommeln ins Gesicht rutscht, bis er das blöde Ding weghaut. Sie tun das, was in der Rockfachsprache „ein Hitfeuerwerk abbrennen“ heißt, gemischtestmöglich aus allen Phasen der 16 Jahre netto, vom „Lustigen Astronaut“ bis zum Demnächst-Hit „Unrockbar“. Die erste Geräusch-Single bleibt der einzige neue Song heute.

Die Sache geht ab wie das neuerdings sprichwörtliche Zäpfchen, nach ein paar hölzernen Ansagen zu Beginn, bevor Farin und der B. in Fahrt kommen, gratwandernd zwischen schmerzfreiem Spätpubertärenhumor und kunstvollem höherem Blödsinn. Sie hacken fortgesetzt auf Jochen Distelmeyer und Blumfeld herum, die zeitgleich auf der kleinen Bühne spielen („Das Duell der Rockgiganten“) und tragen das explicit-lyrische „Rock Rendezvous“ zu Grabe, das – obschon noch einmal mit Verve neu stehgreif-bereimt – da dann auch ganz gut liegt. „Das spielen wir jetzt erstmal länger nicht mehr“, kündigt Farin an. Geht da ein Niveauruck durch die Band? Egal, ob Ärzte-Möger oder nicht; Man muss seinen Funny Bone schon im Zelt gelassen haben, um bei dem 15-minütigen Reim-Jam, zu dem sich (das sowieso beste DÄ-Lied) „Zu spät“ auswächst, nicht wenigstens anzutauen: Die klimaktische „Dann bin ich ein Star und du läufst hinter mir her …“-Strophe wird in einer Art Freestyle-Battle zwischen Farin und Bela x-mal neu betextet. Die zwei sind wie angestachelt, sich gegenseitig auszustechen, grandiose ad-hoc-Dichtungen entwinden sich, das Gekalber zieht sich länger und hirnrissiger hin, als irgendwie professionell genannt werden könnte bei einem Konzert vor 20.000 Leuten. Kurz: es ist großartig. „Liebes Terracotta-Publikum! Remember: I love you!“ ruft am Schluss Rod, der den ganzen Abend recht still und süperb posend den Kürlauf der Kollegen beschmunzelt hat, und da ist man dann schon so kodderig weichgeklopft, dass man sich einen kleinen Ast lacht über diesen Flachwitz. In der Tat kichert man zwei Tage später beim Schreiben immer noch darüber. Und dieses „Rock Rendezvous“ ist ein verdammter Ohrwurm.