Nach Diss gegen toten XXXTentacion: Vic Mensa reagiert mit neuem Track „Empathy“ auf Kritik

Der BET-Award ist ein amerikanischer Fernsehpreis, der jährlich von dem US-amerikanischen Fernsehsender Black Entertainment Television (BET) an Künstler in den Bereichen Musik, Schauspiel, Film und anderen Unterhaltungsgebieten vergeben wird. Ausgezeichnet werden afroamerikanische Künstler, die im vorausgegangenen Jahr Besonderes geleistet haben.

Bei den diesjährigen BET-Awards kam es zu einem Eklat, der aufzeigt, wie schwierig der Umgang mit verstorbenen Künstlern ist, die zwar große Musiker waren, sich zeitlebens aber auch durch zum Beispiel soziale Inkompetenz und extreme Gewaltbereitschaft ausgezeichnet haben.

Stein des Anstoßes war Vic Mensa, der mit seinem Cypher-Part ein klares und sicher bitter nötiges Zeichen gegen häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe setzen wollte. Das Problem: Er suchte sich für seinen Diss den am 18. Juni 2018 erschossenen XXXTentacion aus.

Hier der Auszug aus Mensas Cypher, die nach der Ausstrahlung im TV zensiert wurde:

Erwähnenswert ist hierbei vor allem, dass der Ausschnitt bei der On-Air-Premiere nicht zensiert war. Wer nicht so schnell mitgekommen ist, hier nochmal zum Mitlesen:

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These the bars #vicmensa spit at the BET Awards.

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XXXTentacion hat zeitlebens nicht nur Gewalt in seinen Songs thematisiert, sondern auch aktiv ausgeübt, vor allem gegenüber seiner Freundin. Auch seine dauernden Probleme mit dem Gesetz waren kein Staatsgeheimnis. Viele der Anwesenden bei den BET-Awards hielten den Cypher von Vic Mensa aber aufgrund des kürzlichen Todes von XXXTentacion für pietätlos – besonders, weil auch dessen Mutter anwesend war.

Er selbst äußerte sich zu der Thematik auf Instagram:

Tatsächlich wirft der Vorfall einige Fragen auf. Wie soll man posthum mit jemandem umgehen, der von vielen für einen herausragenden Rapper gehalten wird, in seinem Leben aber extrem gewalttätig war?

Muss man im Rap, wahrlich keinem Feld für Zimperlichkeiten, das posthume Ansehen einer Person als Künstler über seine bzw. ihre Verfehlungen als Mensch stellen, oder können beide parallel existieren?

Auch bleibt natürlich die Frage, ob ausgerechnet seine Mutter von den Anschuldigungen besonders überrascht war – immerhin war ihr Sohn doch über seine gesamte aktive Rapkarriere entweder auf Bewährung, vor Gericht oder im Gefängnis, ein Fakt, mit dem sie sich auf die eine oder andere Weise arrangiert haben wird.

Und schlußendlich: Wo verläuft die feine Grenze der Pietät? Dort, wo jemand nach seinem Tod für sein schlechtes Benehmen gedisst und dadurch zum (angeblichen) Opfer wird, oder dort, wo jemand als Musikheld glorifiziert wird, obwohl er im echten Leben ein Antiheld war und keiner an seine Opfer denkt?

In der Zwischenzeit hat Vic Mensa erneut reagiert und einen Track namens „Empathy“ veröffentlicht, in dem er die Causa und seine Hin- und Hergerissenheit thematisiert:


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