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Nach Missbrauchs-Doku: Radiosender streichen Michael Jackson aus dem Programm

Im Juni jährt sich Michael Jacksons Todestag zum zehnten Mal, doch die Aufmerksamkeit liegt momentan ganz woanders. Seit der Ausstrahlung der Doku „Leaving Neverland“ streiten sich Fans und Kritiker über die Vorwürfe zweier Männer, die angeblich vom Popstar als Kinder mehrfach sexuell genötigt wurden. Im Zuge der erhitzten Debatte hatte die Jackson-Familie erst kürzlich den Sender HBO auf 100 Millionen US-Dollar verklagt.

Inzwischen ziehen auch die ersten Radiosender Konsequenzen. So will BBC Radio 2 Jacksons Songs vollständig aus ihren Rotationen verbannen. „Entscheidungen, was wir auf unseren unterschiedlichen Kanälen spielen, werden immer basierend auf den relevanten Zielgruppen und unter Berücksichtigung des Kontexts getroffen“, begründete ein Sprecher die Entscheidung in der „Sunday Times“. Auch in den Niederlanden, Kanada und Norwegen nehmen einige Stationen Michael Jackson (vorerst) aus dem Programm – im Falle des norwegischen Rundfunks NRK wolle man erst einmal abwarten, wie das Publikum auf den Inhalt der Doku reagiere.

Harte Rotations-Einschnitte in Deutschland gibt es bislang nicht. Auf Anfrage von „Focus Online“ äußerten sich zwar einige Rundfunkanstalten, jedoch gilt für viele von ihnen die Unschuldsvermutung. „Der BR wird das Thema weiter genau beobachten und sich auch noch näher mit der Dokumentation über Michael Jackson befassen“, heißt es beispielsweise seitens des Bayerischen Rundfunks. SWR und WDR sehen sich nach derzeitigem Kenntnisstand ebenfalls nicht gezwungen, Songs aus dem Programm zu streichen. Am eindeutigsten positioniert sich Antenne Bayern: „Wir betrachten die Songs von Michael Jackson als Kunst – und unsere Hörer lieben sie. (…) Zum jetzigen Zeitpunkt die Songs von Michael Jackson wie die BBC zu boykottieren, wäre zwar sehr pressewirksam, trägt aber gar nichts zur Prävention oder Strafverfolgung von Kindesmissbrauch bei, noch ist ein Opferschutz durch den Boykott erkennbar.“

Kooperation

Die Diskussion darüber, ob Kunst und Künstler zu trennen sind, ist nicht neu – im vergangenen Herbst etwa hatte Spotify problematische Künstler wie R. Kelly und XXXTentacion medienwirksam aus ihren Playlists verbannt.

 


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