Neu im Kino: Einchecken mit Bill Murray im „Grand Budapest Hotel“, Hirn auschecken bei „300“

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Film der Woche: „The Grand Budapest Hotel“

Komödie – USA/D 2013, Regie: Wes Anderson, Darsteller Ralph Fiennes, Tony Revolori, Bill Murray

Steven Spielberg und Peter Jackson sollten sich Wes Andersons neuesten Puppenstubenausflug gut ansehen. Denn das hier ist der neue und sehr viel bessere „Tim und Struppi“-Realfilm. Mit dem bisexuellen und unverhofft zur Zielscheibe werdenden Concierge Gustave H. (Ralph Fiennes), mit dem jungen Liftboy Zero als cleverer Struppi und – wenn man über viel Interpretationsfantasie verfügt – mit Jeff Goldblum als leicht zerstreut wirkender Anwalt Kovacs/Professor Bienlein.

Im osteuropäisch anmutenden Zambrosia, das sich ein Hergé wohl besser gar nicht hätte ausdenken können, greift eine ganz offensichtlich faschistische Regierung mit ihren ZZ-Truppen (für Zig-Zag) nach der Macht, ein europäischer oder gar Weltkrieg scheint hier Mitte der dreißiger Jahre nur eine Frage der Zeit. Davon unbeleckt hält einzig das „Grand Budapest Hotel“ mit seinem Concierge die Werte der Vergangenheit hoch. Und wenn es im Liebesdienst für den ältesten Gast des Hauses (Tilda Swinton) ist. Das bringt H. zwar deren Erbe ein, aber auch die Rachsucht ihrer Familie, die ihren Henker (Willem Dafoe) losschickt, um H. und seinen Sidekick Zero in aberwitzigen Tableaus – vom Knastklischéeausbruch bis zur cartoonesken Skiverfolgung ist alles geboten – und mit ihnen ein aussterbendes Zeitalter zur Strecke zu bringen.

Angefüllt ist das Ganze nicht nur mit etlichen Ausstattungs- und Inszenierungsdetails, sondern auch mit Cameos, die man bei einem kurzen Blinzeln schon wieder verpasst haben könnte. Kaum mehr als jeweils ein paar Minuten sind Bill Murray, Harvey Keitel, Tilda Swinton, Jason Schwartzman, Léa Seydoux oder Owen Wilson hier zu sehen – als bloße skurrile Momentaufnahmen im gerade deshalb auch flottesten und unterhaltsamsten Film, den Anderson bislang auf Celluloid bannen durfte. Dass er dabei auch noch den Traditionen des deutschen und europäischen Films der ersten Jahrhunderthälfte seine Reverenz erweist, dürfte dann so manchen Filmgeek mit dem etwas oberflächlichen Plotting versöhnen. Aber bei „Tim und Struppi“ hat sich auch noch niemand über die fehlende Tiefe beklagt…

Außerdem neu in den Kinos und mit einem Ein-Satz-Schnellcheck aufgeführt:

 

300: RISE OF AN EMPIRE

Bekannte Namen: Eva Green, Lena Heady

Fast parallel zum spartanischen Leonidas dürfen hier die demokratischen Griechen in Zeitlupe digitale Blutfontänen und Extremitäten verteilen – immer und immer wieder.

Gehen wir rein, weil… das zumindest 20 Minuten lang ganz gut aussieht – bis sich der Effekt nach 21 Minuten komplett erschöpft hat.

IM AUGUST IN OSAGE COUNTY

Bekannte Namen: Meryl Streep, Benedict Cumberbatch, Julia Roberts

Bissig-komische Selbstzerfleischung im dysfunktionalen Familienkreis; mit sagenhafter Besetzung und mit Streep und Roberts im Fast-Oscar-Modus.

Gehen wir rein, weil… die Streep schon lange kein so großes Miststück sein durfte wie hier – und Cumberbatch erstmals erstaunlich normal wirkt.

SAVING MR. BANKS

Bekannte Namen: Tom Hanks, Emma Thompson, Paul Giamatti

Der Disney-Konzern setzt seinem Gründer ein filmisches Denkmal – ohne wirkliche Ecken und Kanten, dafür mit großartig aufspielenden Stars.

Gehen wir rein, weil… der Mann unsere Kindheit geprägt hat.


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