Neu im Kino: „Lone Survivor“ mit Mark Wahlberg, Aaron Paul in „Need For Speed“ und der Hundertjährige

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Film der Woche: „Lone Survivor“

Lange bevor man überhaupt eine Szene aus dem Actiondrama „Lone Survivor“ zu Gesicht bekam, zeichneten sich bereits die Fragen ab, mit denen man sich spätestens nach dem Abspann beschäftigen musste: A) Wie ist Regisseur Peter Bergs Tagesform? B) Wie viel Patriotismus verträgt ein kinointeressierter Durchschnittseuropäer? C) Wie viel wahre Begebenheit steckt hinter dem offensiven Tatsachen-Claim des Films? Die kurze Antwort: A) gut B) mehr als gedacht C) mehr als vermutet.

Doch von Anfang an: Was zunächst nach einer zwar gefährlichen, aber durchaus alltäglichen Routinemission für die in Afghanistan stationierte Navy-Seal-Einheit rund um Anführer Lieutenant Murphy (Taylor Kitsch) aussieht, eskaliert schnell in Richtung militärischem Desaster, nachdem eine Reihe von Fehlentscheidungen und unglücklichen Verkettungen die Elite-Soldaten weit hinter feindlichen Reihen stranden lassen. Eigentlich soll Murphy zusammen mit seinen Kameraden Axe (Ben Foster), Marcus (Mark Wahlberg) und Danny (Emile Hirsch) in feindliches Gebiet vordringen, um dort einen Talibanführer dingfest zu machen. Der komplexe Plan gerät jedoch außer Kontrolle, als das Seal-Team entdeckt wird und im Anschluss von der feindlichen Übermacht gnadenlos zu Tode gehetzt wird. Den Ausgang des Einsatzes nimmt der Titel zwar vorweg – einer der Soldaten wird schließlich gerettet – jedoch nicht bevor insgesamt 19 Kameraden ihr Leben gelassen hatten.

Etwas ausführlicher als eingangs formuliert und das Fragenfeld von hinten aufgerollt, wird spätestens zum Abspann der Wahrheitsgehalt von „Lone Survivor“ offensichtlich: Dort werden die Privatfotos jener Soldaten gezeigt, deren Tod wir gerade in fiktionalisierter Form miterlebten. Wer sich näher mit den wahren Begebenheiten hinter „Lone Survivor“ auseinandersetzt, der vorrangig auf dem Bericht und anschließenden Buch des Alleinüberlebenden Marcus Lutrell beruht, wird wohl überrascht feststellen, dass bis auf einige unwesentliche Details die Dramatisierungs-Maschinerie Hollywoods erstaunlich in Zaum gehalten wurde.

Was im Angesicht des zuletzt für Anfälle von Instant-Patriotismus bekannten Action-Subgenre mehr als bemerkenswert ist. Denn wenn von eskapistischer Unterhaltung wie den „Transformers“ bis hin zum Märtyrerheldentum in Actionreißern wie „Act Of Valor“ kein Moment ohne Brustklopfen und Fahnenschwenken möglich scheint, überrascht dieser Verzicht auf allzu offensichtliche patriotische Bekundungen doch ein Stück weit. Denn trotz einiger schwer zu übersehender Heldenposen, ist es vor allem die unerbittliche Härte der Bilder, die in Erinnerung bleibt: Kein schmerz- und blutfreies Ableben mit inspirierendem Spruch auf den Lippen, stattdessen Bilder, die trotz ihrer filmischen Stilisierung weh tun.

Womit auch Frage A) ihrer Beantwortung gegenübersteht. Zwar hat Peter Berg zuletzt mit „Battleship“ einen Kinofilm abgeliefert, bei dem man sich fragte, wie er als Frankenstein’sches Geschöpf aus halbgaren Konsensideen überhaupt das Licht der Kinosäle erblickte. Doch mit „Lone Survivor“ zeigt er sich wieder voll auf der Höhe: eine nervöse Handkamera, die jedoch nie zu Übelkeitsattacken führt, ein sehenswerter Cast aus A- und B-Stars, ein knallhartes Sounddesign und eine realitätsgeerdete Actioninszenierung.

So wie die Dokumentation „Camp Armadillo“ als „Apocalypse Now“ -Äquivalent des Afghanistan-Krieges zu betrachten ist, ist „Lone Survivor“ der „Black Hawk Down“ des Konflikts am Hindukusch: kantig, unnachgiebig und unbarmherzig nach vorne preschend.

Außerdem neu in den Kinos und mit einem Ein-Satz-Schnellcheck aufgeführt:

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg….

Bekannte Namen: Einer der seltenen Fälle, in denen der Filmtitel bekannter ist als sämtliche Mitwirkende.

Frisch aus dem Lehrgang „Vom Bestseller zum Kinokassenmagnet in 12 Monaten“ steht uns diese offenbar unvermeidbare Buchadaption ins Haus. Die zeigt sich dann überraschend stimmig, nicht zuletzt dank skandinavischem Sinn für skurrilen Humor.

Gehen wir rein, weil… wir einfach froh sind, dass kein deutscher Regisseur den Stoff in die Finger bekam *HustDieVermessungderWeltHust*

Need For Speed

Bekannte Namen: In diesem Fall eher „bekannte Gesichter“ in der Form von Aaron Paul. Jesse Pinkman aus „Breaking Bad“ halt. 

Auf Ideensuche wildert man erneut in Videospielterrain und adaptiert mit „Fast & Furious“-Zielgruppe im Hinterkopf das Rennspiel „Need For Speed“. Was zwar in Ordnung geht – es ist qualitativ überraschend viel Raum nach unten – aber für einen Tuningszenen-Datingfilm zwischen großen Motoren und noch größeren Emotionen schlicht zu steril ist.

Gehen wir rein, weil… wir ständig auf ein „Yo, Mr. White“ warten.    

Journey To Jah

Bekannte Namen: Gentleman und Alborosie

Zwei Reggae-Fans und -Künstler, die gerade in der Heimat der Musikrichtung Anerkennung ernteten, begeben sich auf die Spurensuche nach der Seele des Reggae im Heimatland Jamaika.

Gehen wir rein, weil… allen Vorbehalten zum Trotz die Doku erstaunlich viel gute Laune verbreitet.

Kreuzweg

Bekannte Namen: Brüggemann? Dietrich und Anna Brüggemann?

In formales Konzept gezwängt – 14 Einstellungen umfasst der Film, die den 14 Stationen des Kreuzwegs entsprechen – folgt das erschütternde Drama dem Leidensweg eines streng religiösen 14-jährigen Mädchens, das ihr Leben Jesu widmen möchte. Und daran zerbricht.

Gehen wir rein, weil… dies einer jener Filme ist, die der Unentrinnbarkeit des Kinosaals bedürfen.     


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