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Hotlist 2026: Die besten Newcomer:innen des neuen Jahres

Wie wird 2026 klingen, wer sind die Acts, auf die man Auge machen sollte? Die Glaskugel ist frisch poliert, schaut rein!

Jolle

Mit dem Kopf in den Wolken

Zwischen Deutschpop und Deutschrap, introspektivem Songwriting und clubbigen Beats balanciert Jolle in ihren Songs durch den grauen Alltag.

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Ein schlafender Sandmann, ein erwachsener Peter Pan oder eine Indie-Sängerin ohne Altbauwohnung – so fühlte sich Jolle wohl in den ersten drei Jahren ihrer Musikkarriere. Dabei liest sich ihre Bilanz beeindruckend: zwei EPs, ein Remix von Cro als Ritterschlag und eine Nominierung für die 1Live-Krone. Glücklich war die Sängerin trotzdem nicht. Denn hinter den Kulissen kämpft Jolle, bürgerlich: Julia Pettke, mit ihrer Angst vor der Bühne, Panikattacken und Selbstzweifeln.

Dieser Kontrast zieht sich durch Jolles Musik. Was aus Zufall in einer Karaokebar in Hamburg begann, ist heute eine konkrete Vision: Es geht um die verlorene Kindheit, große Träume, mentale Gesundheit, Beziehungen und die graue Realität, an der so vieles zerschellt. Dabei hat ihre Stimme genug Kraft, um Disney-Adult-Kitsch und Prinzessinnenschlösser gleichermaßen in die Luft zu sprengen und trotzdem verletzlich zu sein. Musikalisch mischt Jolle Pop mit Elektro zu einem stimmigen Gesamtpaket, das auch bei den Deutschpop- und -Rap-Kolleg:innen gut ankommt: Es gab schon Support-Shows für Majan, Cro und Tokio Hotel. Jolles einzige Feinde scheinen ihre Selbstzweifel zu sein. Und die wachsen parallel zu den Größen der Bühnen, auf denen sie spielt.

Doch wie Jolle auf „Alle Märchen sind gelogen“ selbst singt, ist die Welt nicht verloren. Es war ein weiter Weg, doch 2025 steht die Sängerin panikfrei auf der Bühne – unterstützt von Coaches, neuen Routinen und ihrer Freundin Isa. Auch wenn Jolle von Märchen nicht viel hält, endet dieses hier vorerst mit einem Happy End – und viel Vorfreude auf das Debütalbum 2026.

Text: Felix Sommerburger

Woher: Hamburg
Für Fans von: Nina Chuba, Paula Hartmann, Mental Health Real Talk, Hello-Kitty-Edits
Anspieltipps: „Alle Märchen sind gelogen“, „Petrichor“
Neue Musik: Debütalbum ist für 2026 geplant
Live: bestätigt bisher nur MS Dockville im August, aber bestimmt schon vorher

DellaXOZ

Liebesgrüße aus der Waschmaschine

Von TikTok ins britische Indie-Feuilleton: DellaXOZ zeigt, wie man Popmusik in ihre Einzelteile zerlegt – und daraus etwas Neues formt.

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Alles begann mit einem Schrei. Genauer: mit einem Song namens „AHH!!“, der kaum anderthalb Minuten dauerte, dafür aber so klang, als hätte jemand Soul, 90s-Pop und Riot Grrrl einmal mit dem Hyperpop-Tauchsieder aufgekocht. 2021 ging der Track viral, dahinter steckte eine Teenagerin aus Bolton bei Manchester: Die damals 17 Jahre alte Daniella Landy Lubasu nennt sich DellaXOZ. Aktuell ist sie dabei, den britischen Pop einmal auf links zu drehen.

Daniella wuchs als Tochter kongolesischer Eltern auf und hörte als Kind die Musik aus deren Heimat – und alles von Beyoncé bis Rihanna. Das, was nicht im Radio lief, baute sie sich an ihrem Computer selbst zusammen. Mit zwölf produzierte sie erste Songs, in der pandemischen Isolation lud sie diese in den sozialen Netzwerken hoch. 2022 erschien ihre erste EP, seitdem folgten zwei weitere, aufgenommen wurden sie nicht mehr ausschließlich im Kinderzimmer, sondern gemeinsam mit Produzent:innen wie Mack Jamieson und Jessie Munro. Trotz dieser Professionalisierung tropft aus ihren Stücken eine angenehme Anarchie: Der Hit „Boring“ ist mit seiner zehnsekündigen Hook wie gemacht für TikToks, andere Songs wie „Don’t Do It“ oder „Permanent Retrograde“ geben hingegen dem Slackerpop der 90er ein aufregendes Update.

Eklektizismus ist bei DellaXOZ also King. Damit begeistert sie aktuell die britischen Medien von der BBC bis zu „The Line Of Best Fit“. Ihr Kopf, so singt sie in „AHH!!“, sei wie eine Waschmaschine. Wir setzen uns gerne vor die Trommel und warten gespannt, bis der Schleudergang einsetzt.

Text: Jochen Overbeck

Woher: Manchester
Für Fans von: Slackerpop, Beabadoobee, Charli XCX, 24 offenen Browsertabs
Anspieltipps: „UnHinged“, „AHH!!“
Neue Musik: noch nichts angekündigt, aber bestimmt
Live: erst mal nur in London am 19.2., im Sommer sicher auf einigen Festivals