Highlight: Mittelmäßige Rocker und Comedians: Die Foo Fighters besitzen die Coolness von bierseligen Lehramtsstudenten

Plattenliste

Nirvana Buyers Guide: Alle Alben der Band auf einen Blick

BLEACH (1989)

Der Grunge. Die beste Platte, die man für 606 Dollar machen kann: runtergestimmte Gitarren, Riff auf Riff, und darüber der Gänsehaut machende Gesang von Kurt Cobain, der schon jetzt entdeckt hat, dass seine Stimme sein bestes Instrument ist. Die heilige Dreifaltigkeit des Black (Black Sabbath, Black Flag, Big Black) trifft auf den Trademark-Sound von Sub Pop. Und zwischen der bleiernen Schwere von „Floyd The Barber“ und „Negative Creep“ blitzt bereits der pure Pop auf: „About A Girl“.

Kooperation

NEVERMIND (1991)

Der Urknall. The record that broke punk. Von Produzent Butch Vig im wahrsten Sinne entschlackt und angetrieben von dem entfesselt trommelnden Neuzugang Dave Grohl, schreiben Nirvana Musikgeschichte. Kurt Cobain beendet die Achtzigerjahre, stößt Michael Jackson en passant vom Chartsthron und öffnet dem amerikanischen Rockuntergrund die Türen zum Mainstream. Jeder Song ist ein Hit und riecht nicht nur nach Teen Spirit, sondern auch so inspiriert und frisch wie Rockmusik seit den Clash nicht mehr.

INCESTICIDE (1992)

Der Ramsch. Man muss das Schwermetall schmieden, solange es heiß ist (und den Bootleggern eine lange Nase drehen): Odds and Sods von der Resterampe, um die gewaltige Nachfrage nach Nirvana jedweder Art zu stillen. Ein paar B-Seiten, eine Peel-Session, aus gutem Grund bislang Unveröffentlichtes – und ein überdauerndes Juwel: „Sliver“ war die Single, die Nirvana noch vor „Teen Spirit“ zu Stars hätte machen müssen.

IN UTERO  (1993)

Die Härte. Gegen den erbitterten Widerstand der Plattenfirma setzen Nirvana die Flucht in den Lärm durch. Sicher, „Heart-Shaped Box“ oder Dumb“ sind purer Pop, aber Cobain macht es seinen zuckersüßen Melodien nicht leicht, gegen den Berlin Wall of Sound von Steve Albini anzukommen. Dazu: verstörende Texte am Rand der Selbstzerfleischung („Serve the Servants“), Noise im Quadrat („Scentless Apprentice“). Und Titel wie„Rape Me“. Willkommen im Mainstream des Jahres 1993.

UNPLUGGED IN NEW YORK (1994)

Die Zartheit. Ungeschützt von meterdicken Lärmkaskaden und Grohls Powerhouse-Drumming, entblättert sich Kurt Cobain und offenbart seine fragile, geplagte Seele. In intimem Ambiente werden Bowie, die Meat Puppets, die Vaselines und Leadbelly gecovert. Das darf jetzt auch der Cappuccino-Crowd gefallen, die die nachhaltig betörende Schwermut und schicksalsschwangere Stimmung des Sets geflissentlich ignoriert. Ein Abschiedsbrief, in Schmerz gegossen.

FROM THE MUDDY BANKS OF THE WISHKAH (1996)

The sound and the fury. Ausgewählte Liveaufnahmen von 1993 und 1994. Ein paar der offensichtlichen Hits werden ausgeklammert, dafür legt man Wert auf obskurere Titel. Die Erkenntnis bleibt nicht aus, dass Nirvana zwar eine Liveband waren, auf einer Liveplatte aber längst nicht das transportiert wird, was Cobain, Novoselic und Grohl als Liveband ausgezeichnet hat.

NIRVANA (2002)

Der Ausverkauf. Courtney Love brauchte Geld, und Grohl und Novoselic konnten die seelenlose Best-of-Compilation nicht verhindern. „You Know You’re Right“, einziger zuvor unveröffentlichter Song, ist großartig. Ansonsten so schlicht wie das Cover.

WITH THE LIGHTS OUT (2004)

Die Schatztruhe. Das Imperium schlägt zurück. „With The Lights Out“ ist der Sampler, der Nirvana hätte sein sollen. Outtakes, Liveaufnahmen, Unveröffentlichtes auf drei CDs und einer DVD, die keine Wünsche offen lassen. Vieles will man kein zweites Mal hören, aber allein die Coverversionen von Kiss, den Wipers und The Velvet Underground sind die Investition wert.

LIVE AT READING (2009)

The sound and even more fury. Der legendärste Auftritt von Nirvana, auf der Höhe des Ruhms, als Headliner des legendären Festivals von Reading. Vermutlich nur für Komplettisten, aber die bekommen die ganze Energie und den ungewöhnlichen Humor der Band in all seiner Glorie.

Dieses Interview war Teil unserer ME.HELDEN-Titelgeschichte über Nirvana im Musikexpress 10/2011.


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