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„Rampage“-Kritik: Hollywoods letzter Superstar ist eine Clickbait-Überschrift

Die Zeit der Superstars ist in Hollywood eigentlich längst vorbei. Einzelne Schauspielerinnen oder Schauspieler locken keine Massen mehr in die Kinos. Filme werden nicht mehr in Auftrag gegeben, nur weil sich später ein bekanntes Gesicht auf dem Plakat bewerben lässt. So interessierte Scarlett Johanssons „Ghost in the Shell“ 2017 gefühlt niemanden, Brad Pitts „War Machine“ landete genauso in der Netflix-Versenkung wie die Regiearbeit seiner Ex-Frau Angelina Jolie. Und Tom Cruise kann außerhalb der „Mission: Impossible“-Reihe schon längst keine Hits mehr verbuchen.

Auf die Superhelden ist außerhalb von Marvel-Filmen auch kein Verlass mehr. Robert Downey Jr. und Chris Hemsworth ziehen nur, solange sie ihre dusseligen Kostüme anhaben. Oder haben Sie etwa ein Kinoticket für „Vacation“ oder „The Judge“ gelöst? Eben.

„Rampage“: Dickpimmliges Männerbild aus einer anderen Zeit

Einer der letzten Hollywood-Megastars heißt Dwayne Johnson, der Mehrheit unter seinem Wrestler-Namen „The Rock“ bekannt. Johnson, 46, werden seit Jahren Filme auf den Leib geschneidert, Millionen schalten nur aufgrund von Sympathie ihm gegenüber Netflix aus und treten den Gang ins Kino an. Das Problem: Dwayne „The Rock“ Johnson ist auch nach Jahren auf der Leinwand ein unterklassiger Schauspieler, dazu hat er keinen Sinn für geschmackvolle Projekte. Und obendrein transportiert er ein dickpimmliges Männerbild, das sich schon irgendwann in den 90ern selbst überholt hatte.

Während The Rock noch mit dem Affen redet, schleicht sich eine aufgegeilte Zuhörerin schon ins Bild.

In „Rampage“, seinem neuen Film, der jetzt in Deutschland läuft und im Ausland bereits zum Erfolg wurde, hat Johnson einen weiteren Evolutionssprung in der Männlichkeit gemacht. Er verbringt als Ex-Supersoldat am liebsten nur noch Zeit mit Gorillas, hat auf Primatologe umgeschult. Und seinen Albino-Gorilla-Kumpel George hat er so gut im Griff, dass bereits in den ersten Minuten die erstbeste Blondine in Hotpants dermaßen begeistert ist, dass sie Johnson in einem Porno-Dialog nach einem Date fragt. Doch er lehnt ab, braucht seine Zeit für sich, um am nächsten Tag wieder fit für die Gorillas zu sein. Auch auch Freunde und aufdringliche Kollegen hat er keine Lust.

In „Rampage“ lehnt The Rock Menschen kategorisch ab, fühlt sich als Alpha-Mann selbstverständlich nur in der Welt der Silberrücken wohl. Ein bisschen überraschend ist dieser Figurenansatz ja schon, immerhin zieht Dwayne Johnson Zuschauer ausschließlich mit seiner herzensguten Art in die Kinos. Zu sehen ist diese täglich auf seinem Instagram-Account, der mehr als 100 Millionen Follower hat und zu einer Ein-Mann-Marketingagentur geworden ist. Oder in Interviews oder auf YouTube, wo The Rock in die Kamera grinst, Geschichten über treue Fans und emotionale Treffen mit Soldaten und Veteranen erzählt und mit seinen Hundis spielt.

Der Gründungsmythos einer Karriere

Dazu erinnert Johnson immer wieder zielsicher an den Gründungsmythos seiner Karriere. Als gescheiterter Footballer stand er irgendwann mit ein paar Dollar auf der Straße, rutschte dann so lange durch den Wrestling-Rock, bis er beschissene Nebenrollen in noch beschisseneren Filmen bekam – „Die Mumie 2“ war dann so eine Art Durchbruch.

Fast zwei Jahrzehnte später muss man bestürzt feststellen, dass die eindimensionalen Nebenfiguren von früher heute zur Hauptrolle geworden sind. Johnsons Figuren in „Fast & Furious“, „San Andreas“, Hercules“ und nun eben „Rampage“ sind weder optisch noch inhaltlich großartig variiert – der Hüne muss nur groß genug sein, um zwischen den Special Effects nicht unterzugehen und seinen Followern vorher verklickern, dass sie immer noch dem Selfmade-Man (American Dream und so) unter die Arme greifen, wenn sie Geld für seine seelenlosen Filme ausgeben.

Menschenverachtende Gewalt

In „Rampage“ bekommen die Zuschauer nicht einmal ihren Helden The Rock zu sehen. Sondern nur eine menschenhassende Aufziehpuppe, bewaffnet mit Schwarzenegger-Textzeilen und der Freundschaft zu dem aus dem Computer stammenden Albino-Gorilla. Dieser wird dank missglückten Experimenten riesengroß und zum Massenmörder, ebenso wie ein Alligator und ein Wolf, der dazu noch fliegen kann. Die Tiere zerlegen irgendwann Chicago, mittendrin ist The Rock, der dank seiner tiefen Freundschaft zum Gorilla alle Probleme löst. Der Film ist so geschmacklos wie er klingt, dazu aber noch nahezu menschenverachtend in blutigen Szenen, in denen Menschen von den riesigen Tieren gefressen, zerstampft oder gegen die Wand geworfen werden.

In den USA und China, den wichtigsten Märkten, schaffte es der Film trotzdem hoch in die Kinocharts. Weil Johnson es wieder einmal geschafft hat, seine Leute zu mobilisieren. Er feierte die größte Filmpremiere aller Zeiten in Los Angeles, schüttelte genug Kritiker-Hände (anders ist ein Schnitt von 51% auf Rotten Tomatoes nicht zu erklären) und überzeugte Teens auf der halben Welt, den armen, jeden Tag kämpfenden Sexiest Man Alive und bestbezahlten Schauspieler der vergangenen Jahre tatkräftig zu unterstützen.

Das Versprechen auf gute Unterhaltung erwies sich aber wieder einmal als Lüge, der Film bereitet Kopfschmerzen, von der Kunstperson, dem sympathischen Dwayne Johnson ist ebenfalls nicht viel zu sehen, vielleicht hat er ja wirklich Lampenfieber und verliert vor der Kamera seine Lockerheit. Oder vielleicht ist der aktuell größte Star unter den Schauspielern einfach nur eine wandelnde Clickbait-Überschrift. Eine, die so gut ist, dass die Leute immer wieder darauf hereinfallen.

Warner

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