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Adam Green Sixes & Sevens


Eine dumme Frage vorweg: Wer oder was ist eigentlich Adam Green nach all den wirren Jahren? Ein Role Model fürs Pop- Prekariat, für die verkannten Downtown-Poeten von Friedrichshain bis Williamsburg, ein netter Bedhead mit Vorliebe für surrealistic pillows? Der Kussmund, der Indie-Mädchen schwach macht? Unser rührendster Ohrwurm-Sänger? Das neue Gesicht von Annie Leibovitz? Wahrscheinlich von all dem etwas, und es mag sich glücklicherweise der Kenntnis des Interpreten entziehen, in welcher Beziehung Erwartungen und Projektionen zu dem stehen, was der Sänger und Erfinder der New Yorker Moldy Peaches seine Ansprüche, seine Haltungen, seine Ideen nennt. Viel einfacher ist die Beurteilung dieses Albums: SIXES & SEVENS drängt sich dicht hinter das Meisterwerk der nun fünf Soloalben starken Vorstellung des Supercrooners und Junk- und Punk-Exhibitionisten, FRIENDS OF MINE (2002). Adam Green ist heute mit Maulorgel und Posaune unterwegs, er schaut Mädels unter den Rock, singt im Duett mit seiner Freundin und kommt im Sleepy-Disco-Outfit ganz groß raus („Twee Twee Dee“).Das ist alles extrem hübsch, selten habe ich zu so jungen Liedern das Köpfchen gewippt. Green legt von Song zu Song eine neue Folie auf, schlüpft wie nichts in Zeiten, Stile, Rollen: Irgendwo haben wir Nick Cave mit Panflöte („You Get So Lucky“), später Lou Reed mit „Sweet-Jane-Sauce“ (O-Ton-Adam Green). Und selbst das ist im Kontext dieser seltsam munteren, weit gereisten Lieder nicht unanständig. Bei 20 Titeln sind drei Show-Stopper sowieso kein Beinbruch, dafür hat Green mindestens dreimal so viele geniale Lieder in der gerade mal richtigen Ausführung an Bord. Man sollte die Platte mit dem sensationell swingenden und klingelnden Insellied beginnen („Tropical Island“) und sich mit den „Rich Kids“ vom Tag verabschieden, als Erinnerung an das, was einmal als Antifolk eine kleine Weltkarriere hinlegte. Wenn es stimmen sollte, dass man die Bedeutung eines Musikers/einer Band daran messen kann, dass keiner ihn/sie erreicht, und jeder ihn/sie kennt, dann liegt Adam Green mit diesem Album 2008 wieder schrecklich weit vorn.

Frank Sawatzki – 07.03.2008

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