Adrian Younge

YOUNGE

Linear Labs/Cargo (VÖ: 17.10.)

Der Komponist aus L.A. gießt seine Orchester-Jazz-Vision in ein programmatisches Werk.

Der Mann ist gut beschäftigt. Allein im vergangenen Jahr hat Adrian Younge drei Alben herausgebracht, seine Diskografie ist unüberschaubar, die Kooperationen und Projekte wie die großartige „Jazz is Dead“-Reihe ungezählt, weshalb ein Solo-Werk mit dem Titel YOUNGE als programmatisch betrachtet werden darf. Das Album beginnt mit „Portschute“, Streicher und Bläser umarmen sich, ein cool klackendes Schlagzeug gibt den Herzschlag vor, und ehe man sich versieht, verwandelt sich die zurückhaltende Stimmung in eine klassisch-elegante James-Bond-Titelmelodie.

Unüberhörbar, dass der 47-Jährige aus Los Angeles als Soundtrack-Komponist begonnen hat, noch 2024 gestaltete Younge zusammen mit seinem Dauerpartner Ali Shaheed Muhammad den Score für die TV-Serie „Cross“. Mit YOUNGE stellt er nun exemplarisch die Frage, was ein klassisches Orchester vom R’n’B, Soul, Jazz und HipHop lernen kann. Die Antwort: sehr viel. Younges Kompositionen sind ausdrücklich vom Orchester her gedacht – im Gegensatz zu Kamasi Washington, der anderen zentralen Figur jener südkalifornischen Szene, die so erfolgreich den Schulterschluss zwischen Jazz und Klassik betreibt. Seltsamerweise haben die beiden nie kooperiert, erst 2024 erschien Washingtons FEARLESS MOVEMENT auf Younges Label Young.

Youtube Placeholder

An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube
Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.

Nun klingt YOUNGE fast, als wolle er ein für alle Mal klarziehen, wo er die Unterschiede zwischen seinem und Washingtons Ansatz sieht. Auf YOUNGE wird nicht improvisiert, jedes der neun Stücke ist trotz der eingeschränkten Länge von selten mehr als drei Minuten bis ins letzte Detail auskomponiert, verschwenderisch und üppig, dramatisch und episch, aufbrausend und elegisch. Möge Adrian Younge weiter gut beschäftigt bleiben.