Alben des Jahres 2013 – Platz 5: Moderat II


Monkeytown/ Rough Trade

von

Hier Sascha Ring alias Apparat, der edgy Typ, der sich so schwer fassen lässt, gleichermaßen Melancholie und Tolstoi zu vertonen fähig ist. Und da Sebastian Szary und Gernot Bronsert von Modeselektor, die Hauptstadtraver. 2002 taten sie sich erstmals zusammen, sieben Jahre später erschien das Debütalbum, das der Auftakt zu einer eineinhalb Jahre andauernden, von den Visual Artists der Pfadfinderei bildgewaltig illustrierten Konzertreise war. Wer bei einem der Auftritte dabei war, weiß: ein wilder Ritt, der zeigte, dass Moderat mehr sind als die Summe der einzelnen Teile. Das Debütalbum klang wie eine zwingend wirkende Party.

Der Nachfolger nimmt diese Party als Ansatz, vertont aber im Prinzip deren Ende. Bedeutet: Die Geradlinigkeit wird aufgebrochen und mit dem verbunden, was in den vergangenen Jahren passierte. Bei Moderat, vor allem aber bei Sascha Ring, der bei seiner eigenen Arbeit eine Hinwendung weg vom Track, hin zum meist melancholischen Song vollzog. Natürlich baut eine Nummer wie „Bad Kingdom“ auf einem mächtigen Bass auf, auf einem eindringlichen Beat.

Gleichzeitig aber sind es die Worte, die hier das Grundthema vorgeben und den Song stark gen Pop schieben: „This is not what you wanted, not what you had in mind“ heißt es, während im Hintergrund ein Geräusch initialisiert wird, das ein Quietschen, aber auch der angstvolle Schrei eines Tieres sein könnte. Stringenz wird angedeutet, aber oft dekonstruiert. Das Verblüffende: Am Ende sind auch die Songs doch wieder Tracks, die man sich nicht auf dem iPod, sondern in einem Club wünscht oder beim Open-Air-Festival.


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